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15-08-2008 Reisen
Sankt Petersburg für Individualisten
Schon an der Dicke ist es zu sehen: Der St. Petersburg City-Guide aus dem Reise Know-How-Verlag ist kein gewöhnlicher Reiseführer. Auf 324 Seiten beschäftigt er sich ausführlich und abgestimmt auf Individualreisen mit der Newa-Metropole.

Natürlich sind alle nennenswerten Publikumsmagneten enthalten. Eremitage und Winterpalast, die Peter-Paul-Festung, Peterhof, der Newski Prospekt und viele mehr. Die gebotenen Informationen zu jeder Sehenswürdigkeit sind ausführlich und verständlich.


Unterbrochen werden die Ausführungen von Extra-Tipps mit nahen Einkaufsideen oder nennenswerten Details, Hintergrundtexten oder der immer wiederkehrenden Rubrik „kleine Pause“ mit dem örtlichen kulinarischen Angebot. Fotos und Übersichtskarten sind im City-Guide ebenfalls im ausreichenden Umfang zu finden, wenn auch nicht ganz so häufig, wie in Führern, die sich an Mainstream-Touristen richten. Viele nicht so populäre, aber sehenswerte Plätze sind enthalten. Hier wird der zusätzliche Platz im etwas dickeren Führer gut genutzt.

Der Beschreibung der einzelnen Sehenswürdigkeiten vorgelagert sind Kapitel für bestimmte Zielgruppen wie Kunstfreunde, Kauflustige oder Familien mit Kindern. Nach der Schilderung von allem Sehenswerten folgen allgemeine Reiseinformationen wie Reisevorbereitungen, Anreise , Verhaltensregeln, Adressen oder Sprachhilfen. Dieser Teil ist jedoch für eine Individualreise nur ausreichend, wenn es sich um einen kurzen Städtetrip handelt. Für wen Sankt Petersburg nur der Start eines größeren individuellen Russlandstrips ist, der ist gut beraten, sich weitere und speziellere Literatur zu suchen. Alle gebotenen Informationen und Tipps sind jedoch sachlich richtig dargestellt und man merkt hier, dass Autoren am Werk waren, die sich sowohl mit Petersburg als auch mit dem Thema unterwegs in Russlands Großstädten nicht nur theoretisch auskennen.

Nicht ganz so gelungen sind die Lagekarten. Die detaillierteren Versionen befinden sich ohne Aufklappmöglichkeit im Buch und ohne den zusätzlichen Erwerb eines herkömmlichen Stadtplans wird man sich unterwegs einiges Geblättere nicht ersparen können. Auch fehlen in den Karten Straßenbezeichnungen in kyrillischen Buchstaben, die einem – zum Teil ausschließlich – nun mal draußen begegnen. Schöner gemacht ist hier die Metrokarte im vorderen Buchdeckel – übersichtlich und doppelbeschriftet. Das ist umso wichtiger, als dass auch an der Newa die U-Bahn ein für Touristen empfehlenswerte s Fortbewegungsmittel ist.

Sparen können hätte man sich die Rubrik „Auf einen Blick“ gleich zu Beginn des Buchs. Hier wird für den Besucher festgestellt, was er z.B. auf einer ein- oder dreitägigen Reise nicht verpassen sollte. Hier stellt sich zum einen die Frage, warum sich ein Eintagesbesucher einen derart umfangreichen Reisebegleiter zulegen sollte. Zum anderen ist es doch gerade im Individualtourismus die Sache des Reisenden, was er sich nach umfangreichen Vorabinformationen nicht entgehen lassen will.

Gerade verwertbare Schilderungen enthält das Buch aber zur Genüge. Positiv ist der neutrale Ton bei den Umständen vor Ort ohne gute oder schlechte Propaganda. Nichts wird beschönigt etwa bei den Besuchsbedingungen des aktuell hemmungslos überlaufenen Bernsteinzimmers, nichts wird aber auch wie andernorts übertrieben bei Themen wie Kriminalität oder dem Gesundheitswesen. Man erfährt, wie man am günstigsten an Mariinskarten kommt, wo man den besten Blick über das die Skyline hat, wie man vermeidet, ein Vermögen an die gierige Taximafia zu verlieren und viele andere Sachen mehr für die unterschiedlichsten Interessen.

Alles in allem ein gelungenes, wenn auch nicht perfektes Werk für den Sankt Petersburg-Fahrer. Wer sich ohne Pauschalbuchung in die Newa-Metropole begeben will, ist mit der Anschaffung dieses Buchs aus dem Reise Know-How-Verlag gut beraten. Wen es nur für einige Tage nach Sankt Petersburg zieht, der wird mit dem City Guide und einem eventuellen zusätzlichen Stadtplan gut zurecht kommen und keine weitere Reiseliteratur brauchen. Den meisten Konkurrenzprodukten aus großen Verlagen ist der City-Guide in jedem Fall überlegen und die wenigen Euro, die er mehr als diese kostet (12,80 € im Buchhandel) werden durch den doppelten wenn nicht dreifachen Inhalt mehr als ausgeglichen. Die Investition wird sich wegen der vielen nützlichen Tipps vor Ort schnell bezahlt machen. Wer mehr von Russland sehen will als Sankt Petersburg oder sich länger dort aufhält sollte sich mit weiterer Literatur umfangreicher informieren.

[  Roland athon / russland.TV – Russland hören und sehen  ] ; Daten zum Buch: Christian Funk, Aglaya Sintschenko: St. Petersburg City Guide, Reise Know-How-Verlag Bielefeld, ISBN 978-3-8317-1676-0; weitere Russlandbücher unter www.russland-buecher.ru


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