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29-03-2009 Reisen
Russland, Ukraine, Weißrussland
Das in Mitteleuropa – abseits von Spezialisten – erhältliche Angebot an Straßenkarten von Russland ist mehr als dürftig. Umso interessanter fanden wir die Möglichkeit eines Testes der gerade aktualisierten Version des Marco-Polo-Faltplans „Russland-Ukraine-Weißrussland“, die in jedem Buchgeschäft Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu bekommen ist.



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Insbesondere stellt sich die Frage, ob die Anschaffung der Karte für Autoreisen in Russland die eines russischen Autoatlanten erübrigt. Die Preislage ist etwa die Gleiche, aber letzterer ja gerade für Russisch-Unkundige relativ umständlich zu bekommen – vor allem vor der Fahrt. Die Antwort auf die Frage lässt sich nicht für alle Reisen einheitlich beantworten.

Die Beschriftung der Karte ist sinnvoll, die Gestaltung übersichtlich. Kyrillische und lateinische Bezeichnungen aller Orte finden sich direkt untereinander. Etwas merkwürdig mutet die lateinische Umsetzung der kyrillischen Zeichen an, die sich mehr an der wissenschaftlichen Transkription orientiert, als an der deutschen und deswegen bei der Aussprache durch Ungeübte manchmal nicht zu einem realitätsnahen Ergebnis führt. Oder wer weiß auf Anhieb, wie er Zeichen wie „š“ oder „è“ lesen soll? Umschreibungen wie „sch“ oder „tsch“ wären hier vielleicht einfacher gewesen.

Zufriedenstellend sind der gewählte Kartenmaßstab (1:2 Millionen) und der Kartenindex, in dem alle wichtigen Orte verzeichnet sind. Natürlich ergibt sich hier kein Detailreichtum wie in einem dicken Atlas, aber das kann man von einer Einzelkarte von solch einem riesigen Gebiet auch nicht erwarten. Orte bis zur Kleinstadtgröße sind durchgehend zu finden, kleine Weiler und Dörfer häufig nicht mehr. Ähnlich verhält es sich mit den Straßen und so findet man sich unterwegs auf den Hauptrouten im russischen Westen gut zurecht. Recht hilfreich sind auf der Rückseite enthaltenen Stadtplanausschnitte von Moskau, Sankt Petersburg, Minsk und Kiew, die bei Kurzaufenthalten weitere Geldausgaben ersparen können. Auch eine Entfernungstabelle und -karte ist gleich daneben zu finden.

Ein wirklicher Nachteil am Marco-Polo-Werk ist jedoch der gewählte Kartenausschnitt. Während interessanterweise Rumänien, Bulgarien, der westliche Kaukasus oder das Baltikum praktisch komplett auf der Karte enthalten sind, trifft das selbst auf einen großen Teil des europäischen Russlands nicht zu. Natürlich kann eine Straßenkarte dieses riesige Land nicht in einem vernünftigen Maßstab komplett abdecken. Jedoch ist es unverständlich, dass eine unter anderem mit „Russland“ betitelte Straßenkarte im Osten schon an der Wolga und im Norden etwa auf der Höhe von Wyborg endet.

Hieraus ergibt sich auch der Gebrauchswert des Faltplans. Wer mit seinem Auto nach Moskau, Sankt Petersburg, zum Goldenen Ring oder ans Schwarze Meer unterwegs ist (oder in die Ukraine/Belarus), wird mit der Karte gut zurecht kommen. Wer jedoch jenseits der Wolga, zum Ural oder darüber hinaus fahren will, wird sich recht schnell jenseits des abgebildeten Bereichs befinden und kommt um den Erwerb einer russischen Karte nicht herum. Zwar gibt es einen Übersichtsplan auf der Rückseite, der ganz Russland umfasst. Dieser ist jedoch in Folge des Maßstabs (1:10 Millionen) zur Navigation vor Ort weitgehend ungeeignet. Auch eine kleine Sonderkarten zum Baikalsee ändert daran nichts.

Hier ist es unverständlich, warum der Kartenherausgeber von „Russland-Ukraine-Weißrussland“ den Ausschnitt seines Werkes so gewählt hat, dass man damit recht gut durch Rumänien, Bulgarien, Georgien oder Armenien kommt, nicht jedoch durch den östlichen Teil des europäischen Russlands. Dadurch ist „Russland-Ukraine-Weißrussland“ für einige Russlandreisende weniger eine Anschaffung wert, als für solche in die beiden aufgeführten Nachbarstaaten. Für andere wiederum lohnt sich die Anschaffung durchaus. Es empfielt sich in jedem Fall, vor der Kaufentscheidung einen intensiven Blick in die Karte zu werfen.
Roland Bathon – russland.TV – Russland hören und sehen; Roland Bathon ist Autor des Buchs „Russland auf eigene Faust“, mehr Infos unter www.nachrussland.de/nrr


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