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21-06-2004 Reisen
Der Orient-Express: Erste Fahrt nach der Renovierung
Am 21. Juni wird sich der berühmte Orient-Express (siehe Agatha Christie!) auf seine erste Fahrt begeben, nachdem die meisten seiner Waggons in Russland generalüberholt und restauriert wurden.

Der Orient-Express ist in die Geschichte als der erste europäische Luxuszug mit Schlafwagen, eigens für solide Kunden gedacht, eingegangen.


Der Ruf des Zuges, der bereits 1883 in der Schweiz gebaut worden war, verblasste keineswegs mit der Zeit, aber die Natur hat ihre eigenen Gesetze, und der Zahn der Zeit nagte allmählich an seinen Mechanismen.

Bis 1977 befuhr der Orient-Express die Strecke Paris - Instanbul, und ab 1993, nach der Übergabe einiger seiner Waggons an Russland, diente er zur Beförderung von Touristen zwischen Moskau und Peking.


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Seinen "Gesundungskurs" machte der berühmte Zug in Zentralrussland, in der Stadt Tambow, durch. Der alte Rädermechanismus des Orient-Express war kaputt, und die Arbeiter des Waggonreparaturwerkes von Tambow unterzogen sich der Aufgabe, ihn wiederherzustellen.

Sie arbeiteten schnell und geschickt, entsprechend ihrem Ruf als Könner, den sie seit dem vorvorigen Jahrhundert genießen. Damals erfand der Meister Nikita Galachow aus Tambow besondere geräuschlose Federn für den Expresszug.

Während der Rädermechanismus nur einer Reparatur bedurfte, mussten der Aufbau, das Heiz- und das Wasserversorgungssystem völlig ersetzt werden. Im Übrigen war der Zug in gutem Zustand, und man behandelt ihn behutsam wie eine museale Rarität. Der Chefingenieur des Werks, Wassili Motytschko, sagt, er betrachte den Orient-Express "nicht nur vom Standpunkt eines Fachmannes aus, sondern auch mit den Augen eines Museumsbesuchers".

Die geleisteten Arbeiten haben es ermöglicht, die Interieurs von Ende des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts wiederherzustellen. Außerdem hat der Zug jetzt eine technische Ausstattung, die den höchsten Standards von heute entspricht.

Aber nach der Renovierung wird das "Exponat" traditionsgemäß eine rein praktische Rolle spielen. Der Zug war schon immer Bestandteil eines ergiebigen kommerziellen Unternehmens. "Orient-Express" ist eine Marke, die eine Reise mit Komfort und aristokratischem Schick verspricht.

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Die Beweise des Status dieses Zuges sind augenfällig: mit Barchent bezogene Sessel, Türen aus Mahagoni, ein Musiksalon, eine Boutique, eine Bibliothek, Frühstück, das im Abteil serviert wird, u.a.m.

Von Anfang an fuhr die Elite mit diesem Zug. Als der Orient-Express zu seinem zweiten Leben erwachte (1977 wurde er nach der fast völligen Vernichtung während des Zweiten Weltkrieges wieder aufgebaut), erhielt das wohlhabende Publikum die Möglichkeit, mit ihm diverse Strecken zu befahren, hauptsächlich aber die zwischen Paris und Istanbul sowie die zwischen Moskau und Peking. Ende Mai 1982 begab sich der berühmte Zug von Londfon nach Venedig. Die Züge der Gesellschaft Orient-Express brachten "very important persons" an die Südküste Australiens, nach Thailand und Malaysia, von London nach Rom usw.

Jede dieser Reisen war die beste Reklame für den betreffenden Passagier. War er eine ohnehin bekannte Persönlichkeit, schrieb sofort die ganze Presse über seine Reise mit dem Orient-Express. Ein Abendessen im Orient-Express ist ein richtiger "Ausgang", zu dem ein Smoking und eine große Abendtoilette gehören.

Die Freuden des Orient-Express genossen seinerzeit Charles De Gaulle, der sowjetische Partei- und Staatschef Nikita Chruschtschow, Königin Elizabeth II. von Großbritannien, Jean Marais und Marlene Dietrich. Agatha Christie schrieb ihren berühmten Krimi unter dem unmittelbaren Eindruck einer Reise mit dem Orient Express. Dann wurde der fashionable Zug in dem nach ihrem Roman gedrehten Film verewigt. (Olga Sobolewskaja, Kommentatorin der RIA Nowosti)

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