russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


08-08-2009 Reisen
Per VW-Bully zum Ural - sieben Jahre später


[ von Roland Bathon ] Vor sieben Jahren habe ich das letzte mal die Strecke von Deutschland zum Ural komplett mit dem Auto zurück gelegt und bin seitdem nur (für Russland) Kurzstrecken selbst dort gefahren.



Werbung


Vielleicht die Zeit für einen Vergleich - was hat sich 2009 gegenüber 2002 auf Osteuropas Straßen verändert? In Tschechien und Polen optisch wenig. Bereits kurz nach dem Millennium waren die Länder für den Durchreisenden schon westlich geprägt, auch ohne EU-Mitgliedschaft. In den 90er Jahren häufig erneuerte Straßen, riesige Einkaufszentren wie in Frankreich, EC- oder Visakartenzahlung an der Tankstelle. Die Preise sind ebenfalls vergleichbar. Nur die 150 km lange Komplettbaustelle auf der Schnellstraße S4 in Polen ist etwas unverständlich und erinnert wie ein paar Straßen ganz im Osten an der ukrainischen Grenze an das "alte" Osteuropa". Auch die Beschilderung von Umleitungen ist in Polen für Ungeübte sehr verwirrend und so war die Zeitersparnis durch weg gefallene Grenzkontrollen schnell zunichte gemacht.

In der Ukraine sind einige Dinge anders geworden. Die reinen Dokumentkontrollen durch die Polizei sind viel seltener geworden, statt fünf Stopps wie 2002 gab es gar keine mehr. Die alten Straßenpolizeitürme am Rand sind verwaist. Die Regierung hat dem Volk wohl ein großes Straßenbauprogramm versprochen und danach die westliche Hälfte des Landes in eine riesige Baustelle verwandelt. Ständige Engstellen mit Baustellenampel nerven auf die Dauer ungemein, vor allen wenn man das ganze über 300 km weit ständig genießt. Hinter Kiew ändert sich das Bild und alles wird osteuropäischer, von Umbau keine Spur mehr. Eine übersichtlich Beschilderung, wo es denn bitte zur nächsten Metropole geht, gibt es weiter kaum und mickrige Hinweisschilder werden oft von riesigen Reklametafeln verdeckt.

So kommen wir schließlich in Russland an. Die Magistralen ("Autobahnen") haben sich kaum geändert und wechseln von ihrer Qualität immer noch abschnittsweise zwischen Westniveau und Hoppelpiste. Die darauf fahrenden Autos lassen jedoch den gestiegenen Wohlstand erspüren. War man 2002 noch mehrheitlich neben uralten Ladas und Moskwitschs unterwegs, sind diese inzwischen im Westen Russlands richtig selten geworden und wurden weitgehend durch gebrauchte Westmarken, aber auch neue Ladas und Westautos ersetzt. Nur hinter der Wolga stellen noch immer alte "Ostautos" die große Mehrheit des Fuhrparks auf den Straßen. Besonders erfreulich ist diese Entwicklung für den ausländischen Autofahrer bei den LKWs. Denn die unglückseligen "Kamas"-Lastkraftwagen, bergauf mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und Rußausstoß von fünf normalen Trucks, sind bis zur Wolga ebenfalls selten geworden. Dahinter wird Russland russischer und Kamas lebt noch, aber immerhin auf etwa halbe Anzahl reduziert.

Der Strom an alten Westwagen nach Russland ist jedoch zurückgegangen. Vor sieben Jahren begegnete man auf allen großen russischen Straßen nach Osten PKWs mit deutschem Kurzzeitkennzeichen, die gerade von russischen und russendeutschen Privatleuten und Kleinunternehmern gen Osten überführt wurden. Diese sind komplett verschwunden, Import findet nur noch im großen Stil statt. Neue russische Zollbestimmungen haben dieses Geschäft unrentabel gemacht. Übrigens braucht man östlich von Moskau auch kaum auf Begegnungen mit anderen Westeuropäern zu hoffen. Wir sahen auf den 1.500 Kilometern zwischen Wolga und Ural genau ein deutsches Auto, wahrscheinlich gelenkt von einem Russendeutschen.

Am Ende noch ein paar Worte an alle Bully-(VW-Bus-T3-)Fans da draußen. Die gegenseitigen Begrüßungsrituale unter den Bully-Besitzern per Lichthupe und wildem Winken gibt es in Russland nicht. Hier ist jeder alte VW-Bus nicht Kult, sondern ein Gebrauchsgegenstand. Alte T3-Busse sieht man häufiger, als den aktuellen Typ. Lichthupe im Kombination im Winken hat hier eine andere Bedeutung: Demnächst gibt es eine Geschwindigkeitskontrolle durch die Miliz. [ Roland Bathon / russland.TV ]

Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013