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09-08-2009 Reisen
Provinzpost in Aktion


In alten Zeiten (bis vor einigen Jahren) war eine äußerst nervenaufreibende Prozedur für Russlandreisende, die nicht in Hotels übernachteten, die Registrierung (im Hotel übernahm das der Laden selbst).




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Diese war vorgeschrieben an Orten, wo man sich länger als drei Tage aufhielt und man musste sich mindestens einmal pro Aufenthalt registrieren lassen, weil bei der Ausreise manchmal geschaut wurde, ob es wenigstens eine Registrierung gibt. Eine Registrierung konnte locker mal einen Tag Behördenkrieg bedeuten, wenn man kein Vitamin B hatte. Manch einer ging formal nur einen Tag ins Hotel, damit die Registrierung geschafft war. Um es den Reisenden einfacher zu machen, wurde all das geändert: Man muss nun nur noch ein Formular auf dem Postamt abgeben, das wird verschickt und das war´s. Man kriegt einen Beleg mit Poststempel für die Ausreisekontrolle.

Wenn das nur alle Postämter wüssten. So kamen wir nichtsahnend in die Provinzpost von Ust-Kataw, Tscheljabinsk-Region, und fragten nach dem Formular. Das fand man dann auch nach einiger Zeit suchen und händigte uns es aus. Wir müssten das aber zweimal ausfüllen und beim Abgeben diverse Kopien von Pass und Visa und Pass des Gastgebers sowie eine russische Übersetzung des Passes des Ausländers vorlegen, hörten wir nach einigem planlosen Wälzen in diversen handgeschriebenen Vorschriften auf Notizzetteln. Das schockte uns etwas, denn woher bitte jetzt eine Übersetzung des Passes nehmen? Das hatte man nicht einmal bei der "alten" Registierung gebraucht. Doch ein Anruf beim "Inspektor" ergab: Das müsse sein. Wir könnten ja zum "Inspektor" gehen. Gleich über der Straße.

Da waren wir dann auch um 15:30 Uhr. Offen war bis 16 Uhr, aber irgendwie trotzdem zu. So füllten wir erstmal alles aus und machten uns nach dem Fertigen der Kopien - weil wir das vorher auch nie gebraucht hatten - ohne die verlangte Übersetzung wieder auf zur Post. Dort brach nun hektisches Treiben aus. Die Schalterfrau holte die Oberschalterfrau, die die Postamtscheffiin, dreimal wurde das Passoriginal, Einreisestempel, Migrationskarten kontrolliert, alles mehrfach kopiert, zusätzliche Schriftsätze entworfen, Daten in Computer gehackt, heftig diskutiert. Probleme gab es beim Auffinden des Einreisestempels und des richtigen Visums im Pass, da da gleich mehrere klebten. Interessanterweise - trotz 30minütigem Hin und Her - wurde dann alles ohne die Übersetzung doch akzeptiert. Einfach nur, weil wir sagten "haben wir sonst nie gebraucht" - was auch stimmt. Trotz der Meinung des unsichtbaren Inspektors. Wie glücklich sind wir nun, dass die Registierung so viel einfacher ist, als früher. Wobei man früher auf der zuständigen Behörde wirklich auch mehrere Stunden verbringen konnte.

Unsere Tipps deshalb für Russland-Reisende:
- Registrieren Sie sich in einem Postamt in einer großen Metropole wie Moskau, wo öfters Ausländer sind. Dort ist es wirklich so einfach, wie gewollt.
- Registrieren Sie sich auf Rundreisen dennoch an einem Ort
- wer (auch) Russe ist: Hier haben wir noch keine Kontrolle der Registrierung bei der Ausreise erlebt. Bei Ausländern jedoch schon.
Alle Angaben wie immer ohne Gewähr. Kommt auch auf den Inspektor an.
[ Roland Bathon / russland.TV ]

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