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14-08-2009 Reisen
Übernachtung unterwegs in Russland


Wenn man durch Osteuropa mit dem Auto reist, stellt sich spätestens an der EU-Außengrenze das Problem: Wo eigentlich übernachten? Dieses Problem gibt es vor allem für Nicht-Nobelurlauber und -reisende, denn mit Campingplätzen oder international buchbaren, aber günstigen Hotels ist an Polens und Lettlands Ostgrenze Schluss.




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Variante 1: Gerade große, organisierte Touren, wie die aktuelle Vintage Volkswagen Challenge, teilen ihre Reisestrecken in viele kleine Stücke und buchen am Ende jeder Etappe bereits vor der Reise in einer großen Stadt ein Hotel. Diese Methode ist sehr schön für organisierte Konvoireisende, aber weder für spontane Individualisten noch für Leute, die einfach ein bestimmtes Ziel möglichst rasch erreichen wollen. Denn jede Etappe kann nur so lang sein, wie man auch unter den schlechtest-möglichen Verhältnissen vorwärts kommt. Denn sonst bleibt der gebuchte Übernachtungsplatz z.B. bei längeren Grenzkontrollen leer oder noch schlimmer, man fährt dann den Buchungen und Stornogebühren hinterher. Auch sind die im Voraus international buchbaren Hotels nicht immer die besten vom Preis-Leistungsverhältnis und selten günstig. Nicht-Konvoifahrern stellt sich desweiteren das Problem, am Ende jeder Etappe in einer oft großen russischen Stadt das Hotel suchen zu müssen. Das ist angesichts der mangelhaften osteuropäischen oder gar mittelasiatischen Beschilderung nicht immer einfach. Es gibt aber für manche Reisende bessere Alternativen.

Variante 2: Wesentlich einfacher zu erreichen sind die in den letzten 10 Jahren an den Magistralen Russlands entstandenen Motels. Es handelt sich fast durchweg um Neubauten. Wer in den 90er Jahren in Russland war, wird sie nicht kennen. Hier muss man keine Vorausbuchung machen. Sie leben von spontanen Eincheckern und haben ebenso wie ihre städtischen Kollegen einen bewachten Parkplatz. Man kann an viel befahrenen Magistralen im europäischen Russland etwa alle 100 bis 150 Kilometer mit einem solchen Motel rechnen. So ist die Entscheidung - nochmal ein Stück fahren oder einchecken - spontan treffbar. Zwei Nachteile hat diese Übernachtungsmethode für einige Reisende: Man lernt natürlich die Städte unterwegs nicht kennen - jedes Motel ist in Sichtweite der Straße - und man spricht in den Motels meist nur Russisch. Hier hat man sich nicht auf internationale Gäste eingestellt, die auf Russlands Straßen meistens selten sind und fast ausschließlich in teuren Innenstadthotels absteigen. Auch gibt es Motels abseits von den Magistralen kaum.

Variante 3: Die Awtostojankas. Diese sind noch häufiger als die Motels am Straßenrand. Es handelt sich um bewachte und meist umzäunte Parkareale, die vor allem von Truckern zur Übernachtung an der Strecke genutzt werden. In Russland ist es nicht unüblich, dass auch andere inländische Reisende diese Parkplätze nutzen, denn auch die Fahrt zur weiter entfernten Tante ist für russische Reisende schnell mal 1500 Kilometer weit. So haben größere Awtostojankas häufig einen eigenen Bereich für PKWs und Kleinbusse. Vorteil dieser Übernachtungsplätze ist ein unschlagbar niedriger Preis von 3-5 Euro pro Nacht und PKW, ein Nachteil das dafür auch weitgehend fehlende Rahmenangebot. Die sanitären Anlagen sind, wenn vorhanden (ein Klohäuschen gibt es immer), meist pures Osteuropa und nach einem Stromanschluss für seinen Campingbus braucht man gar nicht erst zu fragen. Das Ambiente schwankt zwischen modernistisch-steril und kaputt. Für günstig-Reisende, die schnell vorwärts kommen wollen und in ihrem Gefährt auch bequem übernachten können, sind die Awtostojankas dennoch ideal. Vor allem besser als ...

Variante 4: Einfach am Streckenrand in der Prärie stehen bleiben. Das machen auch nur die wenigstens Russen. Russische Landschaft, bei Tag oft wunderschön, ist bei Nacht vor allem eins: Dunkel. Denn das westeuropäische Lichtermeer, das ein Gefühl von Sicherheit verbreitet, findet sich außerhalb vom Umkreis russischer Metropolen in Russland kaum. Es kann natürlich jeder machen, was er will, aber wir können die Übernachtung auf freier Strecke nicht empfehlen und hätten dort auch keinen ruhigen Schlaf. Kriminalität gibt es überall und ebenso, wie man in der deutschen Innenstadt sein Auto nicht mit offener Tür stehen lässt, legt man sich in Russland nicht irgendwo in der unbekannten Einsamkeit schlafen - ohne jede Kenntnis der örtlichen Verhältnisse. In der Nähe von beleuchteten Ansiedlungen weiß man auch nie, ob man am nächsten Tag nicht von einem schimpfenden Eigentümer geweckt wird. Ein paar Rubel für eine einfache Awtostojanka wird jeder übrig haben und wenn sie mal eine Nacht lang nicht schön ist, kann man schon zum Frühstück wieder woanders hin fahren.
Roland Bathon - russland.TV - aktuell auf Tour im Ural; Roland Bathon ist Autor des Buchs "Russland auf eigene Faust", nähere Informationen unter www.buecher.nachrussland.de


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