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30-08-2009 Reisen
Nachtfahrten in Russland


Man liest es immer wieder in allen Reiseführern und -broschüren: Man soll in Russland unterwegs mit dem Auto keinesfalls in der Nacht fahren. Auch ich selbst empfahl zumindest unerfahrenen Russlandreisenden, sich hieran zu halten - und fahre selbst bei meinen regelmäßigen Reisen immer wieder in die Nacht hinein. Was ist dabei zu beachten?




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Manche kennen das: Es ist Abend und man ist nun mal nicht dort, wo man sein wollte. Bei einem Land mit Entfernungen wie Russland lässt sich nicht alles zu 100 % planen. Also wird weiter gefahren, nachdem die Sonne schon lange hinter dem Horizont verschwunden ist. In der Tat sind die Gefahren, vor denen in älteren Reiseführern am meisten gewarnt wird, Gegenstände auf der Fahrbahn und unerwartete Bodenunebenheiten, noch immer vorhanden. Hier hat sich aber der Durchschnittszustand der russischen Straßen verbessert. Doch es gibt andere Gründe, des nächtens vorsichtig zu sein, die in der Praxis relevanter sind.

Verlockend ist es zum Beispiel, vor einer Metropole des abends angekommen, deren Durchquerung in der Nacht in Angriff zu nehmen. Einige Großstädte in Osteuropa, wie etwa Kiew oder Woronesch verfügen über keinerlei Umgehungsstraßen und wer tagsüber durch solch eine Stadt bei vollem Verkehr fährt, wird diese Erfahrung meist nur in notwendigen Fällen nochmals machen wollen. Doch Vorsicht: Zwar braust es sich gut auf großen leeren Prospekten in der Nacht, jedoch haben auch Milizionäre zu dieser Zeit Dienst und stellen sich bevorzugt an Plätze, wo Auswärtige aus Unkenntnis oder Unübersichtlichkeit der Örtlichkeit Verkehrsverstöße begehen. Hier wird gerne mal eine "bar und sofort ohne Quittung"-Strafe kassiert, die bei einem Ausländer gerne mal einen Zuschlag hat. Als alternative Drohkulisse dient hierbei gerne der vorübergehende oder längerfristige Führerscheinentzug. Durch den wenigen Verkehr ist die Wahrscheinlichkeit, hier nachts kostspielige Begegnungen zu machen, viel größer, als tagsüber.

Auch ist ja eines der Mankos osteuropäischer Städte die unübersichtliche Beschilderung und die ist bei Nacht zusätzlich noch unbeleuchtet. Es ist also zu bezweifeln, dass der "Nacht-Coup" bei der Durchquerung großer Städte wirklich etwas bringt. An eine Regel sollte man sich bei Russlands Städten ohnehin immer halten: Wenn Du eine Stadt umfahren kannst, umfahre sie. Die Durchquerung einer solchen bereitet nur Fahrern Vergnügen, die auch gerne in Rom oder Athen mit den Auto unterwegs sind.

Ebenso abzuraten ist vom Befahren unbekannter Nebenstecken, nachdem es dunkel ist. Das Wort "dunkel" erhält auf solchen beim lichtverwöhnten Mitteleuropäer eine ganz neue Bedeutung. Wirkliche Dunkelheit ist in Russland tiefer gehender, als Nachtfahrten auf dem Land in Deutschland. Straßenbeleuchtung oder Seitenpfosten, so etwas gibt es im Osten abseits der Magistalen praktisch nicht. Auch betreffen die "klassischen" Gefahren aus den Reiseführern hauptsächlich diese Straßen. Insbesondere für mitteleuropäischen Augen horrormäßige Schlaglöcher sind eine reale Gefahr.

Deshalb: Ein kategorisches "nein" zur Fahrt durch Russland nach Anbruch der Dunkelheit ist zwar mit Sicherheit übertrieben. Es sollte sich aber die Extrastrecke in die Nacht hinein auf Magistralen und andere Hauptstraßen beschränken und nicht unbedingt in eine fremde Großstadt hinein führen. Übermüdet fährt es sich außerdem in Russland natürlich ebenso schlecht, wie in Deutschland - und noch wesentlich gefährlicher.
Roland Bathon - russland.TV - Roland Bathon ist Autor des Buchs "Russland auf eigene Faust" - weitere Infos unter www.buecher.nachrussland.de

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