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28-11-2009 Reisen
Zugunglück in Russland war anscheinend Terroranschlag


Das schwere Zugunglück im Nordwesten Russlands mit bis zu 39 Todesopfern geht nach Einschätzung der Ermittler auf einen Terroranschlag zurück. Das meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Samstag unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft.




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Der voll besetzte Newski Express war am Freitagabend zwischen Moskau und St. Petersburg unterwegs, als er mutmaßlich durch eine Explosion zum Entgleisen gebracht wurde.

Der Ermittlungsausschuss der Generalstaatsanwaltschaft erklärte, am Tatort in der Nähe der Ortschaft Uglowka seien "Teile eines Sprengsatzes gefunden und entfernt" worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Terrorverdachts und illegalen Besitzes von Sprengstoff. Nach Kreml-Angaben wies der russische Präsident Dmitri Medwedew auch den Inlandsgeheimdienst FSB an, Ermittlungen aufzunehmen. In Moskau trat ein Krisenkabinett zusammen.

Nahe der Gleise am Tatort zwischen den Regionen Nowgorod und Twer wurde laut Interfax ein Krater mit einem Meter Durchmesser entdeckt. Augenzeugen hätten kurz vor dem Entgleisen der Waggons einen Knall gehört.

FSB-Chef: Gestrige Zugkatastrophe war Terroranschlag

Die Katastrophe des "Newa-Expresses" ist durch die Explosion eines sieben Kilogramm Trotyl starken Sprengsatzes verursacht worden, berichtete der Chef des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB), Alexander Bortnikow, am Samstag dem Präsidenten Dmitri Medwedew.

Für die Untersuchung der Umstände des Zugunglücks sei eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des FSB, des Ermittlungskomitees der Generalstaatsanwaltschaft, des Innenministeriums und der Generalstaatsanwaltschaft gebildet worden, betonte er. "Nach den vorläufigen Angaben der Experten wurde eine schätzungsweise sieben Kilogramm Trotyl starke selbstgefertigte Mine gesprengt."

In der Diskussion stehen allerdings mehrere Versionen des Zwischenfalls, ergänzte der FSB-Chef. Es sei ein Ermittlungsverfahren im Sinne der Artikel "Terrorismus" und "Illegaler Waffenumsatz" des Strafgesetzbuchs eingeleitet worden. Das Innenministerium und der Föderale Sicherheitsdienst seien mit Ermittlungsmaßnahmen beauftragt worden, fügte Bortnikow an.

Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums entgleisten vier der insgesamt 14 Waggons des mit fast 660 Passagieren besetzten Newski Express. Er ist der schnellste Zug zwischen den beiden russischen Großstädten, der außer von Pendlern auch gern von Touristen genutzt wird.

Die Nachrichtenagentur ITAR-TASS meldete unter Berufung auf das Katastrophenschutzministerium, insgesamt seien 39 Menschen ums Leben gekommen; andere Quellen nannten die Zahl von mindestens 25 Todesopfern. Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa sagte, 95 Menschen seien verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden.

18 Menschen werden vermisst, ergänzte sie. Nach ihren Worten waren für diesen Zug 651 Fahrscheine verkauft worden, aber die genaue Zahl der Passagiere belief sich auf 653. Außerdem haben den Zug 29 Besatzungsmitglieder bedient.

Ferner führte sie an, dass 28 Verletzte in die Krankenhäuser der Gebiete Twer, Nowgorod und Moskau gebracht worden seien. Acht Patienten befinden sich bereits in Moskauer Krankenhäusern. Am Ort des Unfalls sollen demnächst Verwandte der Todesopfer eintreffen, fügte sie hinzu.

Rettungskräfte setzten am Samstag die Suche nach Toten und Überlebenden fort. Zwei Flugzeuge des Katastrophenschutzministeriums brachten ein Lazarett sowie Ärzte, Rettungskräfte und Polizisten an den Ort des Geschehens.

Nach Angaben der russischen Eisenbahngesellschaft (RJD) sind unter den Todesopfern auch drei Ausländer. In anderen Berichten hieß es, unter den Passagieren seien zwei Finnen und ein Italiener gewesen. Insgesamt befanden sich fast 660 Passagiere und rund 20 Schaffner an Bord des Zuges.

Zwölf Passagiere des entgleisten "Newa-Expresses", die sich bei dem Unfall schwere Verletzungen zugezogen hatten, sind mit dem Flugzeug des Zivilschutzministeriums nach St. Petersburg gebracht worden.

Drei besonders schwere Patienten seien in das Forschungsinstitut der Nothilfe eingeliefert worden. Die anderen drei werden in städtischen Krankenhäusern behandelt.

Der mitreisende Polizist Andrej Abramenko sagte dem Sender Westi-24, zwei Waggons seien vollständig umgestürzt. "Mehrere Menschen wurden unter dem Metall komplett zerquetscht. Ich hörte Schreie und Stöhnen", fügt er hinzu. Wie ein AFP-Fotograf berichtete, wurden mindestens fünf Waggons beschädigt. Die drei hintersten wurden am schwersten getroffen.

Moskauer Behörden entscheiden demnächst über Entschädigung der Opfer des Zugunglücks

Die Moskauer Behörden werden demnächst über die Entschädigung von Opfern sowie Verwandten der Todesopfer des gestrigen Zugunglücks entscheiden. Das teilte der Pressesprecher des Moskauer Oberbürgermeisters, Sergej Zoj, am Samstag mit.

"Der Oberbürgermeister und alle unsere Dienste befassen sich zurzeit mit der aktuellen Operativsituation, und zwar mit der Behandlung der Verletzten", berichtete er. "Das Thema Entschädigung kommt frühestens am Montag auf die Tagesordnung."

Bereits im August 2007 war der Newski Express in der Region Ziel eines Anschlags gewesen. Dabei waren rund 60 Menschen verletzt worden. Wer damals für den Anschlag verantwortlich war, blieb ungeklärt. [ russland.RU ]


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