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01-07-2010 Reisen
Reißfest zum Baikal
Eine echte Marktlücke entdeckt hat der auf Indivualreisende spezialisierte Reise Know How Verlag mit seiner neusten Straßenkarte. „Russland vom Ural zum Baikalsee“ heißt sie und bildet im Maßstab 1 : 2.000.000 genau jene Gegend der Föderation ab, die bei den Werken der Konkurrenz in vernünftigen Größen fehlt.

Die zuvor in deutschsprachigen Raum erschienenen Straßenpläne, „Russland, Ukraine und Weißrussland“ von Marco Polo und „Russland – GUS“ von Freytag haben ein großes Manko gemeinsam.




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In einem halbwegs vernünftigen Maßstab, der auch Kleinstädte enthält, ist eigentlich nur der äußerste Westen des Landes enthalten, etwa bis zur Wolga (östlichster Punkt Marco Polo: Samara, Freytag: Nischni Nowogorod). Jenseits davon findet sich auf den Rückseiten nur eine Monsterkarte (1:8 Mio bzw. 1:10 Mio) von halb Eurasien, die vor Ort kaum zur Orientierung taugt, da unterhalb von Großstadtniveau nur in extrem leeren Gegenden Eintragungen zu finden sind. Wer sich da einmal verfährt, hat bei diesen Werken wenig Hilfe, sobald die Wolga überquert ist. Ehrlicher ist da nur das 2008 erschienene Reise-KnowHow-Werk „Russland West“, das etwa denselben Inhalt wie Marco Polo oder Freytag hat, diesen aber wenigstens korrekt bezeichnet.

Anders beim neuen Reise-KnowHow-Plan. Als wäre er als Ergänzung zu den Platzhirschen geplant, beginnt er an der Wolga und führt geneigte Autofahrer im gleichen Größenverhältnis bis zum beliebten Baikalsee. Da das großformatige Werk nördlich bis nach Surgut und südlich bis zur kasachisch-mongolischen Grenze reicht, sind alle wesentlichen Gebiete im zentralen Russland zwischen Wolga und Mittelsibirien gut abgebildet.

Eine Überraschung bietet schon der Umschlag. „Reiß- und Wasserfest“ steht da groß geschrieben. Das haben wir als erfahrene Russlandreisende natürlich gleich einmal getestet und in der Tat – selbst auf ein mittelstarkes Auseinanderrupfen reagiert das Papier überhaupt nicht und verschiedene Wasserattacken führten zu keinerlei Verwischungen. So ist in der Tat die versehentliche Beschädigung der Karten unterwegs in Gegensatz zu Konkurrenzprodukten fast ausgeschlossen und unser Testexemplar liegt immer noch vor uns wie frisch aus dem Ei gepellt.

Außer einem direkt an den Kartenrand gedruckten Ortsregister in Mikroskopschrift und GPS-Koordinaten ist ansonsten die Ausstattung des Planes spartanisch. Die Beschriftung ist wie bei den anderen „Spezialisten“ zweischriftig lateinisch-kyrillisch, wobei die lateinische Namensversion in der englischen Transkription angegeben ist. Das erschwert zwar für unerfahrene deutsche Muttersprachler ein wenig die Aussprache, ist aber wohl dem Angebot dieser Karten auch außerhalb des deutschen Sprachgebiets geschuldet.

Käufer werden sich finden, denn es spricht sich in den letzten Jahren vor allem unter Individualisten und Backpackern herum, dass der Baikal oder der Ural durchaus Regionen sind, die man nicht nur per Pauschalreise erreichen kann. Da es jenseits der Wolga keinerlei Konkurrenz gibt, fällt da die Wahl der passenden Straßenkarte nicht schwer, wenn man nicht gerade direkt in Russland einkaufen will. Wem die Ural-Baikal-Karte gut gefällt: Auch andere russische Gegenden gibt es nach und nach im wachsenden Kartenangebot von Reise-KnowHow – wir bleiben dran, was noch kommt. [ Roland Bathon – russland.TV, Russland hören und sehen; ]

Daten zur Karte: Russland vom Ural zum Baikalsee, Reise-KnowHow-Verlag 2010, ISBN 978-3831772315; weitere Russlandbücher auch unter www.buecher.nachrussland.de


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