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31-12-2010 Reisen
Russlandreisen ändern sich


Bei Aussagen, die Russlandreisende rund um das Millennium getätigt haben, sollte man bei der Übertragung auf die aktuellen Verhältnisse vorsichtig sein. Erfahrungen aus den 90er Jahren haben oft nur noch sehr wenig mit Unterwegs-sein im Russland des Jahres 2010 zu tun.




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So gehören im Busverkehr auf Mittel- und Langstrecken die antiquierten Modelle des früheren Standardtyps Ikarus mittlerweile der Vergangenheit an. War es in früheren Zeiten an der Tagesordnung, dass Busheizungen kaum liefen oder Belüftungen eher unfreiwillig, hatte man damals Glück, wenn man in ein dreißig Jahre altes Westmodel geraten war, wurde der Fuhrpark mittlerweile weitgehend ausgetauscht. Bei Busreisen über 100 km darf man mit modernen Reisebussen häufig japanischer Herkunft rechnen. Statt nicht funktionierenden Heizungen nerven in diesen heutzutage eher überlaut aufgedrehte Surround-Anlagen im Rahmen des angebotenen Filmprogramms. Dieses gibt es nämlich nicht per Kopfhörer, sondern live für alle – Individualisten sollten mit gut abgeschirmten Kopfhörern vorsorgen.

Was die Straßenränder angeht, ist die Änderung des Landes ebenfalls voll im Gang. Die alten Tankstellen, wo es nur Benzin gibt, sind entlang der wichtigen Magistralen im Schwinden begriffen. Ersetzt werden sie mehr und mehr durch große Stationen wie im Westen, mit Mini-Markt und angeschlossener Gastronomie. Selbst weitab von Millionenstädten ist es dort keine Seltenheit mehr, dass man an Hauptstrecken auch große internationale Marken wie Subway oder Mc Donald´s antrifft oder die einheimischen Platzhirsche wie Awtolunch.

Auch was die Kommunikationsnetze angeht, hat sich einiges entwickelt. Das Internet ist heute mit Hochgeschwindigkeit auch in kleineren Städten nutzbar, wenn man sich nicht gerade in entlegene Gegenden reist. Häufiger als in Deutschland werden dabei mobile Zugänge genutzt, da das Festnetz außerhalb von Metropolen häufig noch antiquiert ist. Die vom Westen gewohnte Vielfalt der Netzanbieter bei Handys hat sich ebenfalls nach Osteuropa ausgebreitet. Jedoch ist der Ausbaugrad der Netze sehr unterschiedlich und man sollte sich informieren, welches Netz auf seiner Reiseroute gut verbreitet ist.

Doch auf manche Russland“spezialitäten“ ist nach wie vor Verlass. Kleinere Flughäfen abseits von Moskau und Piter strahlen immer noch sowjetischen Charme aus und die umständliche, aber vorgeschriebene Registrierung vor Ort ist in der Provinz ohne Russischkenntnisse und unter 60 Minuten kaum zu schaffen. Am einfachsten gehen solche Formalitäten dort, wo man ausländische Gäste gewohnt ist. Man darf gespannt sein, wann endlich diese unnötige Formalia ihrem Ende entgegegen geht und ein weiterer Schritt getan ist, Russland zu einem normalen Reiseland auch für Individualisten zu machen.
Roland Bathon, russland.TV – Russland hören und sehen, aktuell auf Tour im Ural; Roland Bathon ist Autor des Buchs "Russland auf eigene Faust", nähere Infos auch unter www.buecher.nachrussland.de
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