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20-09-2004 Reisen
Russland-Urlauber sagen Reisen nach Terrorwelle ab
Der Kreml in Moskau, die Eremitage in Sankt Petersburg oder die Naturschönheiten der sibirischen Baikalregion - solche Sehenswürdigkeiten locken jedes Jahr Millionen von Touristen nach Russland. In den vergangenen Wochen aber drängten sich andere Bilder selbst in die Köpfe von Russland-Liebhabern. Bilder von explodierten Flugzeugwracks, von Toten an einer Moskauer Metrostation und vom beispiellosen Blutbad unter Kindern in einer Schule in der südrussischen Stadt Beslan.

Allein für September rechnet der russische Tourismusverband daher mit 30 Prozent weniger Buchungen, hunderte Millionen von Euro dürften verloren gehen - und viele fürchten, dass sich die Branche auf Jahre hinaus nicht mehr erholen wird.



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"Für den Winter und die kommende Saison wird im Moment gar nichts mehr gebucht", sagte Jelena Klimenko von der Agentur Awrora Tours. "Die schlechte Sicherheitslage schreckt die Europäer ab." Nun werde es schwer, Touristen dazu zu bringen, für das Jahr 2005 Reisen zu buchen. Klimenko fürchtet bereits einen Kollaps des Tourismusgeschäfts ähnlich dem in Israel, als es im Nahost-Konflikt zu regelmäßigen Bombenanschlägen kam. Auch Maxim Ulitin vom Reisebüro Welgra in Sankt Petersburg ist pessimistisch. "Die Situation ist Besorgnis erregend", sagt er. Er verstehe Touristen, die Angst hätten. "Auch wenn bisher nichts passiert ist in Sankt Petersburg, kann man für nichts garantieren in diesem Land."

Drei Millionen Touristen bereisen Russland jedes Jahr. Die meisten von ihnen zieht es nach Moskau und nach Sankt Petersburg. Oder in die Städte des so genannten Goldenen Rings nördöstlich von Moskau, wo sie zwischen Holzhäusern, Klöstern und Kirchen auf den Spuren des mittelalterlichen Russlands wandeln. Aber auch die wilden Weiten des sibirischen Altai-Gebirges oder der Kamtschatka-Halbinsel im äußersten fernen Osten Russlands ziehen Reisende an.

Nun aber rechnen die Veranstalter mit Einbußen von rund 400 Millionen Dollar (rund 330 Millionen Euro) in diesem Jahr, rund 13 Prozent der gut drei Milliarden Dollar (etwa 2,5 Milliarden Dollar), die von der Branche gewöhnlich umgesetzt werden.
bei russlandreisen.RU
Steigende Hotelpreise in Russland können ausländische Touristen wegscheuchen (20.9.2004)
Bezeichnend für die angespannte Lage waren die Entscheidungen der Hollywoodstars Tom Cruise und Matt Damon: Sie sagten vor einigen Tagen aus Angst vor dem Terror die Russland-Abstecher auf den Promotion-Touren für ihre neuen Filme ab.

Ulrich Kreuzembeck von der Reiseagentur Flait hat nach eigenen Angaben noch keine Stornierungen erhalten. Im Gegenteil, „Wir freuen uns über eine Zunahme von Buchungen vor allem auch im Bereich Individualtourismus. Als Spezialisten für den nördlichen und östlichen Bereich Russlands können wir eher feststellen, dass die Kunden sehr wohl unterscheiden können wo Krisengebiete sind oder nicht. Die Anfragen für Autoreisen von Skandinavien über Norwegen nach Russland für nächstes Jahr, Vorbuchungen für Hotels und touristische Einladungen für Visa auch im Bereich Baikalsee sowie Städtereisen in den nördlichen Teil Russlands steigen. Anscheinend sind überhöhte Preise für Hotels und Transport abschreckender für den Tourismus als Anschläge“

Auch in Russland bleiben manche deshalb trotz der Einbrüche bei den Buchungen gelassen. "Das wird bald von selbst alles wieder ins Lot kommen", sagt Igor Kusmin vom der Reiseagentur Deit. "Die ganze Welt versucht, sich der Gefahr anzupassen", sagt er. "Alle müssen damit leben."

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