Russlands politische Strategien für das Jahr 2018

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Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zeichneten sich im Jahr 2017 durch eine Reihe negativer Veränderungen aus. Die Sanktionen seitens der USA und EU wurden aufrechterhalten oder ausgeweitet und die Entwicklung politischer, kultureller sowie anderer Verbindungen stagniert weiter. Offensichtlich braucht Moskau in dieser Situation eine neue außenpolitische Strategie gegenüber den westlichen Ländern.

Russische Experten reagierten aktiv auf diese „nicht formulierte“ Agenda und so erschienen in den letzten Monaten mehrere Konzepte für einen neuen Kurs der russischen Außenpolitik.

Ob das kommende Jahr 2018 „Veränderungen zum Besseren“ bringen wird, sieht die russische Expertengemeinschaft eher pessimistisch. Wenn der Zustand der Beziehungen zwischen Russland und den westlichen Ländern ein „Neuer Kalter Krieg“ genannt wird, beginnt der ideologische Faktor wieder die Schlüsselrolle in den internationalen Beziehungen zu spielen. Dem modernen Russland fehlt jedoch im Gegensatz zur Sowjetunion eine globale Vision, aus der eine echte Alternative zur liberal-kapitalistischen Doktrin entstehen könnte. Ohne eine ideologische Komponente, so die Experten des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten (RIAC), wird es Russland schwerfallen, seine unabhängige Position als Machtzentrum in einer neuen internationalen Ordnung zu behaupten. Darüber hinaus besaß die UdSSR während der Konfrontation im „Kalten Krieg“ auf der ganzen Welt militärpolitische Verbündete, während Russland heute überwiegend alleine kämpft.

In dieser Situation bietet sich Moskau die sogenannte Stealth-Initiative als realistische Alternative an. Im Rahmen dieser Strategie nimmt sich Russland „vorerst vom Radar“ und wird quasi unsichtbar als vermeintliche Bedrohung des Westens. Dieses politische Vakuum sollte der Kreml nutzen, all seine Ressourcen zu bündeln, die Wirtschaft zu modernisieren und die Entwicklung der Eurasischen Wirtschaftsunion auf allen Ebenen zu fördern. Die in diesen Zeiten zentrale Aufgabe Russlands sollte in der Formulierung eines ideologischen Modells bestehen, das zu einer echten Alternative reifen kann, auf deren Grundlage der Aufbau einer multipolaren Weltordnung möglich ist.

Wichtig in diesem Prozess, betont der Experte, sei die Rhetorik, die diese Änderung in der Außenpolitik begleitet: Russland müsse seine verbal „scharfen Angriffe“ gegen den Westen beenden, um in der Lage zu sein, seine Ressourcen nicht nur nach außen politisch einzusetzen, sondern auch wirtschaftlich effektiv im eigenen Lande umzuverteilen.

Diese Konzepte stellen nur zwei von vielen anderen Optionen für Russlands Aktionen auf der Weltbühne dar, aber der Kern der vorgeschlagenen Alternativen ist klar. In der gegenwärtigen Situation untätig zu bleiben oder einer Politik des „Weiter so“ zu folgen ist sowohl für Moskau als auch die westlichen Länder unvorteilhaft. Moskau bleiben nur zwei Alternativen. Entweder Russland geht wie der symbolische Bär „in den Winterschlaf“, um Kräfte zu sammeln oder es verstärkt auf allen Ebenen die konfliktgeladene Rhetorik mit dem Westen, um dadurch die notwendige Anerkennung als Großmacht zu erhalten.

[Michail Feldman/russland.NEWS]