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22-03-2010 Schlagzeilen
Protesttag in St. Petersburg


Was in den internationalen Medien als “Tag des Zorns” kommuniziert wurde, war in St. Petersburg eine gar nicht so zornige, dafür geordnete politische Demonstration mit einer unübersichtlichen Vielzahl von Parteien und Gruppierungen.




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So versammelten sich am riesigen Rondell des Sport- und Kulturkomplex – kurz SKK – in dem sonst die “St. Petersburg Open” oder “Rammstein” gastieren – eine Menge von mehreren Hundert Demonstranten und protestierte teils heftig gegen die Regierung oder warb für einzelne Anliegen, Rettung des Baikalsee, Gazprom-Turm, gegen steigende Benzinpreise oder gegen die Schließung der öffentlichen Banjas und vieles mehr.

Von den Kommunisten und Gewerkschaften wurde die Bilanz von Ministerpräsident Putin und seiner Politischen und Wirtschaftlichen Freunde heftig kritisiert. “Russland ist keine Kuh die Putin melken” kann – stand auf einem der Flyer.

Politisches Sammelbecken aller “Anderen”

Die Zusammensetzung der Teilnehmer wäre in andern Zeiten so nicht möglich. Kommunisten, neben Zarentreuen, Ökologen neben Gewerkschaftern, Grüne neben Karelischen Nationalisten, Liberale Jabloko neben Anarchisten. Einig nur in 2 Punkten – das sie alleine keine Chancen auf Gehör und Demonstrationsrecht hätten und in der Ablehnung des politischen Monopols der Partei “Einiges Russland”.

Breiten Anteil nahm bei vielen der linken und gewerkschaftlichen Redner das Thema der schleichenden soziale Ausgrenzung und die langsame Verarmung der normalen Bürger und Pensionären und Kinderreichen Familien.

Die Gewerkschafter beklagten das sie von Staatseite oft wie Terroristen behandelt würden bzw. Ihre Materialien aufgrund der Gesetzesparagraphen beschlagnahmt werden die eigentlich das Land vor Terroristen schützen sollten.

Der FSB war allgegenwärtig – als “Werbung”

Über allem prangte an der Großleinwand des SKK die Werbung vom Parfum “Opium” und dem Inlandsgeheimdienst FSB. Selber warb um Hilfe für eigentlich als überwundenen Unannehmlichkeiten des russischen Geschäftsalltags. “Gegen Korruption, Terrorismus und organisierte Kriminalität” prangte der Werbeslogan der Staatsschützer über den Köpfen und Flaggen der Demonstration – während unten die Regierung genau dieser Vergehen beschuldigt wurde.

Ruhiger Ablauf ohne Provokationen von beiden Seiten.

Die anwesenden Polizisten waren ohne ihr “Kampausrüstung” anwesend und nahmen teilweise gelangweilte, teilweise interessiert und ob einiger der Reden offensichtlich belustigt ihre Aufgaben war. Das die Demonstration friedlich ablaufen sollte war schon daran zu erkennen, dass die wenigen Spezialtruppen sich recht weit entfernt im angrenzenden Park Pobjeda mit Schneeballwerfen die Zeit Vertrieb statt nervös und in Montur auf den Einsatz zu warten.

Trotz teilweiser heftiger Anschuldigungen in Richtung des offiziellen Russlands eine friedliche Demo.
[ Max Reiter / Sankt Petersburger Herold ]
[ Foto: Max Reiter / Sankt Petersburger Herold ]
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