Siemens trotz Krimskandal weiterhin groß im Russlandgeschäft

Siemens und TAIF haben einen 380-Millionen-Euro-Vertrag über den Bau eines Kraftwerks in Tatarstan geschlossen. Siemens werde die „volle Kontrolle über die Lieferung und Installation der Ausrüstung“ behalten.

Der Vertrag über den Bau des Kraftwerks wurde vom Generaldirektor der TAIF und dem Präsidenten von Siemens in Russland im Beisein des Präsidenten von Tatarstan und der stellvertretenden Ministerpräsidentin von Bayern sowie dem Präsidenten der Siemens AG unterzeichnet.

Siemens verpflichtet sich, als Generalunternehmer ein Gas- und Dampfturbinen (GuD)-Kraftwerk mit einer Leistung von 495 MW zu bauen. Das türkische Bauunternehmen Enka ist Subunternehmer. Siemens wird zwei Gasturbinen SGT5-2000E und eine Dampfturbine SST-600 sowie Ausrüstungen für die Energieverteilung liefern. Das Kraftwerk soll bis Mai 2021 in Betrieb genommen werden, der Vertragspreis beinhaltet auch einen langfristigen Wartungsvertrag über einen Zeitraum von 13 Jahren.

Dies ist der erste Großauftrag von Siemens zur Lieferung von Turbinen nach Russland, nachdem die Turbinen von Siemens, die für den Bau von Kraftwerken in Taman bestimmt waren, auf der Krim landeten. Damals sagte Siemens, dass es die Zusammenarbeit mit russischen staatlichen Unternehmen stoppen werde. Das Unternehmen reichte auch zwei Klagen bei Gericht ein und verlangte, dass die Verträge für die Lieferung von Turbinen auf der Krim für ungültig erklärt würden. Das Gericht wies bisher jedoch eine dieser Klagen zurück.

Trotz der Streitigkeiten will Siemens weiterhin Turbinen an Russland liefern, berichtete das russische Energieministerium. „Mehrere Unternehmen nehmen an Ausschreibungen für Turbinen teil, Siemens ist eines von ihnen“. Siemens habe unter anderem auch „Interesse“ an einer neuen Ausschreibung für die Lieferung von Turbinen für Taman, wohin die Turbinen, die dann auf der Krim landeten, eigentlich hätten geliefert werden sollen, gezeigt.

Siemens erklärte dazu „Wir haben nie die Beendigung der Arbeit mit russischen Kunden angekündigt“ und da Siemens der Generalunternehmer sei, habe „das Unternehmen die volle Kontrolle über die Lieferung und Installation“.

[hmw/russland.NEWS]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.