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06-08-2005 U-Boot Drama im Pazifik
Russische Rettungskräfte starten zweiten Rettungsversuch - Britische und US-Roboter treffen zur Unterstützung ein
Im verzweifelten Bemühen um die Rettung des bemannten U-Boots im Pazifik haben russische Rettungskräfte einen zweiten Bergungsversuch gestartet. Nach einem ersten gescheiterten Anlauf, das Boot mittels Stahlseilen zu heben, solle es einen zweiten Versuch geben, sagte der russische Pazifikflottenchef Viktor Fjodorow am Samstag.

Derweil trafen britische und US-Unterwasserroboter in der Region ein, mit deren Hilfe die Sonarkabel, an denen das Boot offenbar festhängt, unter Wasser notfalls durchtrennt werden sollten. Erneut gab es widersprüchliche Angaben zu den Sauerstoffvorräten. Auch die Unglücksursache war weiter unklar.

An dem U-Boot seien Stahlseile angebracht worden, um es zu heben, sagte Fjodorow dem Fernsehsender NTV. Es solle zusammen mit dem Gegenstand, in dem es sich verhakt habe, so weit gehoben werden, dass Taucher zum Einsatz kommen könnten. Experten zufolge darf sich das Boot dafür höchstens in 100 Metern Tiefe befinden. Das Boot hing allerdings in einer Tiefe von 190 Metern fest. Ein erster Rettungsversuch mit Stahlseilen war zuvor gescheitert. Am Freitagabend hatte Fjodorow noch gesagt, das Boot sei einen Kilometer weit in flachere Gewässer gezogen worden. Später meldeten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf die Marine, das U-Boot sei nur um 60 Meter bewegt worden.

Nach neuesten Angaben des Militärs war der Grund für das Festsitzen des U-Boots eine Sonaranlage zur Küstenüberwachung. Die Anlage ist den Angaben zufolge mit einem 60 Tonnen schweren Anker am Meeresgrund befestigt. Zuvor hatte es geheißen, der Propeller des U-Boots habe sich in einem Fischernetz verhakt. Nach Angaben der örtlichen Fischereibehörden verkehren in der Region keine Fischfänger.

Das Militär setzte Unterwasserkameras ein, um die Lage beurteilen zu können. Wenn die Situation es erfordere, könnten die britischen und die US-Unterwasserroboter zur Bergung eingesetzt werden, sagte der stellvertretende Generalstabschef der russischen Marine, Wladimir Pepelajew.

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U-Boot Drama im Pazifik – Nachrichten, Hintergründe
Ein britisches und ein US-Flugzeug mit dem ferngesteuerten Einsatzgerät trafen am Vormittag auf der Halbinsel Kamtschatka ein. Später sollten zwei weitere US-Flieger folgen; an Bord des britischen Jets waren mehrere Experten. Die mindestens drei unbemannten Mini-U-Boote, die mit Sägen zum Durchschneiden der Kabel ausgestattet sind, sollten mit einem russischen Schiff in den Hafen von Petropawlosk und anschließend zu der 75 Kilometer von der Küste entfernten Unglücksstelle gebracht werden. Laut dem Militär sollte es noch rund sieben Stunden dauern, bis das Gerät einsatzbereit vor Ort sei. Demnach konnte ein Einsatz nicht vor Samstag 18.00 Uhr MESZ beginnen.

Derweil gab es weiterhin widersprüchliche Angaben darüber, wieviel Sauerstoff die sieben russischen Seeleute in dem verunglückten U-Boot noch haben. Die Vorräte würden "bis Ende der nächsten 24 Stunden und vielleicht der 24 darauf folgenden" reichen", sagte Pepelajew laut der Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Samstag. Von anderen offiziellen Stellen hieß es, die Vorräte drohten viel eher zur Neige zu gehen. Die Bordbesatzung harrte bei Temperaturen von rund fünf Grad und nahezu völliger Dunkelheit in dem U-Boot aus, um keine Energie und keinen Sauerstoff zu verschwenden. Er rechne mit einer erfolgreichen Rettungsaktion "vor ersten Anzeichen von Sauerstoffmangel", sagte Marinesprecher Igor Digalo.

Präsident Wladimir Putin traf mit Vetretern des Geheimdienstes und der Sicherheitskräfte zusammen, um die Lage zu erörtern. Verteidigungsminister Sergej Iwanow brach in die Unglücksregion im äußersten Osten Russlands auf. Weder Putin noch Iwanow gaben zunächst eine öffentliche Stellungnahme ab. Beim Drama das Atom-U-Boots "Kursk" vor fünf Jahren war Putin in die Kritik geraten, weil er den Vorfall nicht zur Chefsache geamcht hatte. Damals waren in der Barentssee nach einer Explosion an Bord die 118 Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.