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05-08-2005 U-Boot Drama im Pazifik
Russisches U-Boot soll am Samstag gehoben werden
In einem Wettlauf gegen die Zeit hat Russland eine dramatische Rettungsaktion für ein im Pazifik festsitzendes Mini-U-Boot unternommen.

Der stellvertretende Generalstabschef der russischen Marine, Konteradmiral Wladimir Pepeljajew, sagte am Freitag im staatlichen Fernsehen, die "aktive Phase" zur Hebung des U-Boots werde am Samstag gegen 02.00 oder 03.00 Uhr Moskauer Zeit (zwischen Mitternacht und 01.00 Uhr MESZ) beginnen. Der Zustand der sieben Männer an Bord sei "zufriedenstellend", und die Sauerstoffvorräte würden bis zum Ende der Operation ausreichen. Anders als beim Untergang der "Kursk" vor fünf Jahren forderte Moskau internationale Hilfe an.

Der russische Fernsehsender Rossija berichtete am Abend unter Berufung auf den Krisenstab, Rettungsteams sei es gelungen, ein Schleppkabel am U-Boot anzubringen. Damit solle es zunächst von einem Schlepper abgeschleppt und später gehoben werden. Pepeljajew erklärte, es gebe "ständigen Kontakt" zur Besatzung. Der Marine zufolge steckt das 13 Meter lange U-Boot seit Donnerstag in 190 Meter Tiefe vor der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Russlands fest, weil sich sein Propeller in einem Fischernetz verhakte.

Der Oberkommandierende der russischen Pazifikflotte, Admiral Viktor Fjodorow, sagte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax, die Sauerstoffreserven reichten bis Montag. Er widersprach damit Äußerungen des Marinesprechers Igor Digalo, der wenige Stunden zuvor gesagt hatte, die Sauerstoffreserven reichten nach einer Schätzung von Freitag um 14.00 Uhr MESZ nur noch für 24 Stunden. Laut Fjodorow waren allerdings die Akkus zur Stomversorgung des U-Boots beinahe am Ende.

Ein Sprecher der Pazifikflotte sagte, auch die Lebensmittelvorräte neigten sich dem Ende zu. Die Lage sei aber "nicht gefährlich". Die Besatzung wurde angewiesen, in liegender Stellung zu verharren, Sauerstoff zu sparen und ihre Kräfte zu schonen.

Großbritannien kündigte unterdessen an, es werde sich mit einem ferngesteuerten Unterwasserroboter an den Rettungsarbeiten für das Mini-U-Boot beteiligen. Wie aus dem Verteidigungsministerium in London verlautete, ist der Roboter mit Kameras und einem Greifarm ausgestattet. Das Gerät solle an Bord eines Transportflugzeugs der Royal Air Force am Samstag in Russland eintreffen und anschließend zur Unglücksstelle gebracht werden.

Vier japanische Militärschiffe mit insgesamt 370 Besatzungsmitgliedern waren ebenfalls auf dem Weg zur Unglücksstelle. Nach Angaben des Verteidigungsminsteriums in Tokio wurde mit ihrer Ankunft jedoch erst für Montagvormittag gerechnet. Die USA wollten ihrerseits per Flugzeug zwei Unterwasserroboter nach Kamtschatka bringen, wie ein US-Marinesprecher in Washington sagte.

Vor Ort war rund ein Dutzend russische Schiffe im Einsatz. Sie versuchten mit Ankern das Tau des Fischernetzes oder das Boot selbst zu fassen, um es zu heben. Daneben untersuchten Unterwasserkameras den Zustand des U-Boots. Nach Angaben der Werft Krasnoje Sormowo war das gesunkene U-Boot in schlechtem technischem Zustand und hätte dringend überholt werden müssen. Das russische Militär habe dies gewusst, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur ITAR-Tass. Für Oktober oder November seien bereits Arbeiten geplant gewesen.

Die russische Marine ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an, der Erinnerungen an das Drama das Atom-U-Boots "Kursk" vor fünf Jahren weckte. Damals waren in der Barentssee nach einer Explosion an Bord die 118 Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.