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11-03-2005 Umfrage & Statistik
Die Hälfte der Russen bewertet Perestroika als Misserfolg
Nur ein Fünftel der Russen und Russinnen sind der Auffassung, dass die von Michail Gorbatschow initiierten Reformen dem Staat "mehr Gutes" gebracht hätten. 46 Prozent teilten dagegen die Meinung, "es hätte lieber so bleiben sollen, wie es vor der Perestroika war".

Dies ergab eine Studie des Analytischen Zentrums von Juri Lewada, berichtet die "Iswestija" am Freitag.

Der Sinn der Reformen besteht darin, "das Leben besser zu machen", heißt es in einem Bericht des Fonds "Obstschestwennoje mnenie" (Öffentliche Meinung) zum Thema "Reformen in Russland - Diagnose und Prognose". Die meisten Bürger sind aber überzeugt: Sie haben das versprochene würdige Leben nicht bekommen, ein Viertel der Bevölkerung erwartet auch keine Verbesserung ihrer Lage selbst in einer entfernten Perspektive.

Eine größere soziologische Studie der Gesellschaft ROMIR Monitoring ergab, dass acht Prozent der Familien heute kein Geld selbst fürs Essen haben. Jede dritte Familie empfindet "ernsthafte Schwierigkeiten" beim Kauf von Alltagskleidung.

Mitten in der Perestroika-Zeit hatten Soziologen des Allrussischen Zentrums für das Studium der öffentlichen Meinung eine Umfrage vorgenommen, bei der sie feststellen wollten, was der Entwicklung dem Lande im Wege steht. Rund zwei Drittel der Befragten setzten "Korruption und Diebstahl" auf den ersten Platz, gefolgt vom "technischen Rückstand der Wirtschaft" und der "Allmacht der Bürokraten". Auf die Plätze vier bzw. fünf kamen wuchernde Kriminalität und Fehler der Staatsführung.

Die Perestroika hat keines dieser Probleme gelöst, sie hat sie eher verschärft. Die Bestechlichkeit des heutigen Beamtentums hat nach Ansicht der meisten Experten im Vergleich zur sowjetischen Periode zugenommen, das Wirtschaftssystem beruht weiterhin auf dem Rohstoffexport, während die unkontrollierte Bürokratie zu Massenunruhen im Zusammenhang mit der Monetisierung der Vergünstigungen geführt hat.

Insofern sind nostalgische Stimmungen in der heutigen Gesellschaft nicht verwunderlich. Eine Rückkehr des Landes in die Breschnew-Zeit halten zwar 86 Prozent der Befragten für unmöglich, 39 Prozent würden aber eine solche Wende nur begrüßen, obgleich die wichtigsten Forderungen der Bevölkerung von 1989 - die Geschäfte mit Waren zu füllen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, gutes Geld zu verdienen - erfüllt sind. (RIA)