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02-09-2005 Umfrage & Statistik
Vergrößerung der Zahl der reichen Menschen droht Russland mit einer Revolution
Russische Bürger träumen davon, reich zu werden, befürchten aber zugleich, dass sich die Anhebung des Wohlstandes von Bürgern auf die Entwicklung des Landes im Ganzen negativ auswirken werde. Zu einer solchen Schlussfolgerung gelangten die Soziologen des Fonds „Öffentliche Meinung“, informierte die Zeitung „Nowyje Iswestija“.

Von 1500 befragten Einwohnern russischer Regionen und 600 aus Moskau erklärten 58 Prozent, sie seien bestrebt, möglichst viel Geld zu haben. Dabei will vor allem die Jugend Geld (78 Prozent). 36 Prozent der Respondenten teilten mit, sie wollten reich werden. Zumeist sind das Menschen im Rentenalter, die realer ihre Möglichkeiten bewerten.

„Aufschlussreich ist, dass für Russland im Ganzen nur 41 Prozent der Befragten meinen, eine zunehmende Anzahl reicher Menschen werde dem Land mehr positive als negative Folgen bringen“, kommentierte Jelena Wowk, Analytikerin des Fonds „Öffentliche Meinung“, die Ergebnisse der Umfrage.

Fast ein Drittel der Respondenten (31 Prozent) vertritt eine entgegengesetzte Meinung. Sie befürchten, dass die Zahl der reichen Menschen durch die Vergrößerung der Zahl der armen Menschen zunehmen werde. Dies werde in letzter Konsequenz die soziale Ungleichheit zuspitzen, das Wachstum des Klassenhasses provozieren, der zu einer größeren Kriminalität und sogar zur Entstehung einer revolutionären Situation führen werde. Sogar unter jenen, die selbst möglichst viel Geld haben wollen, teilt jeder Dritte diese Befürchtungen, betonte die Zeitung.

Die Logik der öffentlichen Meinung ist offensichtlich: Gut ist, reich zu sein, wenn es mich selbst und meine Familie betrifft. Aber ein reicher Nachbar - das ist zweifelhaft. „Natürlich“ habe der das Geld gestohlen, kommentiert Prof. Nikita Pokrowski, Leiter des Lehrstuhls für allgemeine Soziologie an der Hochschule für Wirtschaft, die Ergebnisse der Umfrage. „Daraus resultiert die Schlussfolgerung: Ich muss nicht unbedingt reich sein. Aber dann soll das auch für meinen Nachbarn gelten. So ist es leichter, in dieser Welt zu leben“, sagte der Experte. Seiner Meinung nach werden sich die gesellschaftlichen Bewertungen erst nach der Formierung der mittleren Klasse in Russland ändern. (RIA)