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31-10-2005 Umfrage & Statistik
Braucht Russland eine Opposition?
Nur ein Drittel der russischen Bürger ist der Ansicht, dass es im Lande ernst zu nehmende Oppositionsparteien gibt. Dies ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Lewada-Zentr" im Oktober. Befragt wurden 1600 Einwohner Russlands in 46 Regionen des Landes, schreibt die "Wremja Nowostej".

61 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass Russland Gesellschaftsbewegungen und Parteien braucht, die "in Opposition zum Präsidenten stehen und einen ernsthaften Einfluss auf das Leben des Landes haben würden". Im Dezember 2002 teilten 56 Prozent und im vergangenen Jahr 66 Prozent diese Meinung. 25 Prozent der Befragten sehen im Prinzip keine Notwendigkeit in der Existenz von Kräften, die eine Opposition zum Präsidenten darstellen würden (2002 waren es 25 und im vergangenen Jahr 21 Prozent).

30 Prozent gaben eine positive Antwort auf die Frage "Gibt es heute bedeutende Oppositionsparteien und -bewegungen in Russland?" Der Anteil der Verfechter dieses Standpunktes hat sich in den letzten vier Jahren praktisch nicht verändert. 47 Prozent sehen keine starken Oppositionsbewegungen bzw. -parteien.
bei russland.RU
Umfragen und Statistiken – Russland im Zeichen der Demoskopen und Zahlen


Diese Zahl hat sich im Vergleich zum Oktober 2004 nicht verändert, in 2002 hatten 42 Prozent die Ansicht vertreten, dass Russland keine einflussreiche Opposition habe.

Oleg Saweljew, Soziologe aus dem "Lewada-Zentr", stellt fest: "In Russland gibt es leider viele wenig gebildete Bürger sowie solche, die für Politik nicht viel übrig haben. Ein Drittel der Russen sind betagte Menschen. Das Staatsmonopol in den Massenmedien wirkt sich ebenfalls stark auf das Bewusstsein aus. Zeitungen liest niemand, alle schauen fern, wo oftmals die Propaganda üppige Blüten treibt."

Zugleich "begreifen die Menschen langsam, dass eine Konkurrenz notwendig ist und dass sich ohne diese weder Politik noch Wirtschaft entwickeln". Saweljew ist der Auffassung, dass die russische Macht Angst vor Massenaktionen hat, und die Bürger scheinen das langsam zu begreifen.

Allerdings gibt es nach Ansicht von Analytikern einen großen Unterschied zwischen dem Wunsch der Bürger, in Russland sollten sich Oppositionsstrukturen entwickeln, und der Bereitschaft, diese Strukturen zu unterstützen. Damit sind zum Teil auch die Resultate der jüngsten Parlamentswahlen zu erklären, bei denen die Kreml-treue Partei "Einheitliches Russland" stark unterstützt wurde, während einige Oppositionsparteien den Einzug ins Parlament überhaupt verpasst haben.(RIA)