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07-12-2005 Umfrage & Statistik
Mehrheit der Russen bewertet die Macht als schwach und korrupt
Die Mehrheit der russischen Bürger bewertet die jetzige Macht als kriminell, korrupt, schwach und unbeholfen. Zugleich nimmt die Idealisierung der sozialistischen Epoche zu, schreibt die "Nowyje Iswestija" am Mittwoch.

Das Meinungsforschungsinstitut "Lewada-Zentrum" hat im November 1 600 Einwohner in 46 Regionen Russlands aufgefordert, vier bis fünf Eigenschaften (aus den von Experten vorgeschlagenen 22) für die Charakterisierung der Macht Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre sowie heute zu wählen.

Die Sowjetmacht wurde von den Befragten am meisten als "volksnah" (34 Prozent), "stark und fest" (30 Prozent), "legitim" (28 Prozent), "ureigen und gewohnt" (26 Prozent) und sogar als "angesehen" (24 Prozent) bewertet. Die heutige Macht sei dagegen für 62 Prozent "kriminell und korrupt" und für 42 Prozent "volksfremd". 29 Prozent bewerteten sie als "inkonsequent", 25 als "kurzsichtig" und 20 Prozent als "schwach und unbeholfen".

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"Das Sowjetregime verstand es, den Enthusiasmus der Menschen für seine wirtschaftlichen und politischen Zwecke auszunutzen", kommentierte Wladimir Lyssenko, Präsident des Instituts für moderne Politik, die Ergebnisse der Umfrage.

Nach Ansicht des Politologen wird die jetzige Macht wegen deren Tatenlosigkeit negativ bewertet. "Das nationale Antikorruptionskomitee hat bei seinen Untersuchungen festgestellt, dass sich die Korruption seit dem Amtsantritt des jetzigen Präsidenten verfünffacht hat", sagte Lyssenko. "Kein einziger ranghoher Beamter wurde zur Verantwortung gezogen. Deshalb bewerten die Menschen diese Macht dementsprechend."

Die Soziologen teilen diese Meinung. "Die Zeit vergeht, und die Menschen haben immer weniger Illusionen", stellte Alexander Golow, Experte des "Lewada-Zentrums", fest.

Die Befragten stellten aber auch Gemeinsamkeiten zwischen der jetzigen und der Sowjetmacht fest. Die jetzige Macht wird von 39 Prozent der Befragten und die Sowjetmacht von 30 Prozent als "bürokratisch" bezeichnet. "Kurzsichtig" ist die jetzige Macht für 25 Prozent der Befragten (21 Prozent haben die Sowjetmacht so bewertet). Gleich häufig wurde die sowjetische und die jetzige Macht als "gebildet und intelligent" (jeweils 13 Prozent), aber auch als "beschränkt und unklug" (jeweils acht Prozent) eingeschätzt. (RIA)