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02-02-2006 Umfrage & Statistik
Armut ist Russlands größtes Problem
Russlands größte Problem ist heute die Armut. Diese Meinung vertreten laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts ROMIR Monitoring 59 Prozent der Russen und Russinnen. Die repräsentative Umfrage wurde in 100 Orten in allen Föderationsbezirken vorgenommen, berichtet die "Iswestija" am Donnerstag.

"Wenn man sich das satte und hektische Moskau anschaut, kann man sich schwer vorstellen, dass mehr als die Hälfte der Landesbevölkerung bettelarm ist und einfach essen und sich kleiden will, nur um nicht zu frieren", sagt ROMIR-Generaldirektor Andrej Milechin.

Es geht nicht darum, dass die Menschen nicht wohlhabend oder erfolgreich werden möchten, was ihnen Intellektuelle oft vorwerfen, führte der Experte weiter aus. Der Anteil derjenigen, die speziell Reichtum zum Glück brauchen, und die bereit wären, unermüdlich dafür zu schuften, ist in Russland mit 18 Prozent sogar höher als im Weltdurchschnitt (15 Prozent). Die 14fache Kluft zwischen den Einkommen der ärmsten und der erfolgreichsten Bürger Russlands ist aber für viele einfach entmutigend.

Weitere Probleme, die bei den russischen Bürgern besondere Besorgnis hervorrufen, sind Alkoholismus, Rauschgiftsucht und Terrorismus. Nach Ansicht der meisten Experten liegen die Wurzeln dafür ebenfalls in der Armut, in der Ausweglosigkeit des täglichen Daseins und der Unmöglichkeit, eigene Probleme zu lösen. Dabei ist die moderne russische Armut praktisch nicht mit dem Problem der Arbeitslosigkeit verbunden, wie das in den meisten Ländern der Fall ist: Über dieses Problem ist nur ein Prozent der Befragten besorgt.

Arbeit ist eben nicht schwer zu finden, die Bezahlung dafür ist aber wesentlich geringer als es für einen würdigen Lebensstandard notwendig ist. Die Kehrseite davon, so Milechin: "Die Arbeit wird entsprechend der Bezahlung auch ausgeführt." Bei solchen Verdiensten könnte man wohl kaum mit einer Steigerung der Konkurrenzfähigkeit des Landes und einer Verdoppelung des Bruttoinlandsprodukts rechnen. (RIA)