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20-06-2006 Umfrage & Statistik
Ist man mit zwei BH's innerhalb von drei Jahren bereits wohlhabend?
Russlands Beamte glauben internationalen Statistiken nicht, laut denen Analytiker des UNO-Entwicklungsprogramms Russland zu den Ländern mit niedrigem Lebensstandard, geringer Lebenserwartung, hoher Kindersterblichkeit, schwerer Umweltsituation und vielen anderen ernsthaften Problemen zählen, schreibt die "Nowyje Iswestija" am Dienstag.

Nach Angaben des UNO-Entwicklungsprogramms leben mehr als 40 Prozent der Bevölkerung Russlands unterhalb der Armutsgrenze. Laut der russischen Statistikbehörde Rosstat handelt es sich aber lediglich um 17,6 Prozent der Bevölkerung.

Laut Rosstat ergeben sich die Differenzen in den Einschätzungskriterien aus unterschiedlichen Angaben der jeweiligen Forscher: Die UNO-Experten versuchen, den Entwicklungsstand in verschiedenen Ländern miteinander zu vergleichen, während die einheimische staatliche Statistik gerade die russische Dynamik beobachtet. Insofern berichtet Rosstat von einem Rückgang der Armut, während in der Welt Personen als arm gelten, die nach dem russischen Maßstab zur festen Mittelschicht gezählt werden.

Eine russische Frau gilt nicht als arm, wenn sie sich beispielsweise zwei BHs innerhalb von drei Jahren leisten kann. "Unsere Armutsgrenze ist der Stand, bei dem der Mensch fähig ist, zu existieren und in einem arbeitsfähigen Zustand zu sein", erklärte eine Rosstat-Mitarbeiterin.

Man kann in der Tat arbeitsfähig sein ohne die Unterwäsche zu wechseln - bei diesem Herangehen wirkt die Statistik durchaus optimistisch. Die Armut geht zurück, wenn auch langsamer, als die Ölpreise steigen, dafür stabil: um rund drei Prozent im Jahr.

Das Ministerium für Gesundheit und Soziales vertraut den Rosstat-Angaben voll und ganz. Andere Daten werden dort allerdings auch nicht verwendet. "All diesen Schätzungen der Weltbank und der UNO kann man einfach nicht glauben, weil sie nicht professionell sind", meint Natalja Antonowa, stellvertretende Direktorin eines Ressorts des Gesundheitsministeriums. "Nicht einmal wir wissen es genau, sie können aber schon gar kein klares Bild davon haben. Diese 40 Prozent unterhalb der Armutsgrenze sind absoluter Quatsch. Russland lässt sich mit anderen Ländern einfach nicht vergleichen, all diese Vergleiche werden wegen Unterschieden in den Lebensbedingungen und Untersuchungsmethodiken künstlich sein. So ist Russlands Klima beispielsweise viel kälter als in Portugal, man braucht mehr Lebensmittel, Kleidung und viel mehr Kommunalausgaben. Vier Dollar pro Tag ist zu wenig für Russland." [ RIA Novosti ]