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22-06-2006 Umfrage & Statistik
Mehr als die Hälfte der Russen haben schon mal jemanden bestochen
53 Prozent der russischen Bürger geben zu, schon öfters bzw. in einzelnen Fällen gezwungen gewesen zu sein, Personen bestechen zu müssen, von denen die Lösung ihrer Probleme abhing. Das berichtet die "Iswestija" am Donnerstag unter Berufung auf Umfragen.

Jeder 10. Einwohner des Landes ist zugleich überzeugt: Sollten diese Personen einmal aufhören, solche Geschenke zu fordern, wird das Leben dadurch noch komplizierter.

Laut einer gesamtnationalen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut WZIOM am Mittwoch veröffentlicht hat, entfällt mehr als die Hälfte aller Bestechungsgelder auf die Ärzte. Ein Drittel empfingen Verkehrspolizisten. An dritter Stelle liegen Schul- und Hochschullehrer, gefolgt von der Polizei.

Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung erwiesen sich die Beamten nicht als die größten Schmiergeldempfänger: Nur zehn Prozent der Bürger zahlen ihnen für die Ausstellung von Privatisierungs-, Erbschafts- bzw. Grundstückbesitzdokumenten. Nur vier Prozent mussten Dienste bestechlicher Beamter bei der Erlangung der Staatsbürgerschaft bzw. bei der polizeilichen Anmeldung in Anspruch nehmen.

"Wir haben keinen Grund, diesen Zahlen nicht zu vertrauen", sagte Igor Ejdman, PR-Direktor von WZIOM. "In diesem Fall hat nur eine verschwindend geringe Minderheit die Unwahrheit gesagt, um etwas Unansehnliches nicht gestehen zu müssen: Beamte, und erst recht Ärzte zu beschenken - das galt in Russland nie als etwas Unmoralisches."

Die WZIOM-Studie zeigt aber zugleich, dass sich diese Vorstellung auch schnell ändert. Innerhalb von anderthalb Jahren ist der Anteil der Bürger, die der Auffassung sind, dass die "Prämien" an Ärzte, Lehrer oder Kommunalbehörden genauso gefährlich sind wie die Korruption unter den höheren Staatsbediensteten, von 55 auf 61 Prozent gewachsen. Der Anteil derjenigen, für die das nur eine Lappalie ist, ging dagegen von 39 auf 30 Prozent zurück. [ RIA Novosti ]