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25-08-2006 Umfrage & Statistik
Was denkt Russlands W√§hler √ľber m√∂glichen Nachfolger Putins?
Die W√ľnsche und die Erwartungen der russischen Gesellschaft hinsichtlich eines Nachfolgers f√ľr Pr√§sident Wladimir Putin gehen radikal auseinander. Auf dieses Problem geht der namhafte Soziologe Juri Lewada, Chef des Meinungsforschungsinstituts "Lewada-Zentr", in der Tageszeitung "Kommersant" ein.

Wie er feststellt, wird die √Ėffentlichkeit in letzter Zeit zu Diskussionen mit ausgesprochen gek√ľnstelten Themen verleitet, wie etwa eine Wahl zwischen "Putin" (seine 3. Amtszeit hintereinander, die Russlands Verfassung verbietet), einem "anderen Putin" (einem von Putin ernannten Nachfolger) und einem "Nicht-Putin" (Opponenten des Pr√§sidenten).

Wie die j√ľngste Umfrage des Lewada-Zentrums zeigt, nimmt rund ein Drittel der Befragten einen Nachfolger aus der engsten Umgebung Putins als selbstverst√§ndlich auf. 55 Prozent sind der Auffassung, dass sich Putins Wahl auf diesen Kreis auch beschr√§nken wird. Elf Prozent sind der Ansicht, dass der Nachfolger aus unabh√§ngigen Politikern gew√§hlt werden sollte. Darauf hoffen allerdings h√∂chstens zwei Prozent der Befragten.

Eine √§hnliche sozialpolitische Situation l√§sst sich in der russischen, aber auch in der internationalen Praxis schwer finden, so Lewada. In der UdSSR waren in erster Linie die regionalen Parteichefs die Kaderreserve f√ľr die h√∂chste F√ľhrungsebene (so sind Chruschtschow, Breschnew und Andropow an die Macht gekommen). Im Westen treten am h√§ufigsten regionale Politiker (Gouverneure und B√ľrgermeister gro√üer St√§dte) sowie markante Parlaments- bzw. Parteipolitiker in die vorderen Reihen. Im heutigen Russland l√§sst sich aber ein solcher Weg nicht einmal vorstellen.

Was Kriterien f√ľr die Wahl eines konkreten Kandidaten durch Wladimir Putin angeht, so gehen die W√ľnsche der Massen und die Vorstellungen davon, wie der Staatschef in Wirklichkeit handeln wird, radikal auseinander. In der √∂ffentlichen Meinung sind die moralischen Eigenschaften eines Kandidaten die Hauptkriterien bei der Wahl eines Nachfolgers (von 51 Prozent genannt), von Pr√§sident Putin erwarten aber nur 24 Prozent, dass er sich von diesen Kriterien w√ľrde leiten lassen.

Ungef√§hr genauso gro√ü ist auch der Abstand zwischen den W√ľnschen und den Erwartungen zu solchen Punkten wie die F√ľhrungsf√§higkeiten des Nachfolgers (31 Prozent betrachten es als wichtig und nur 15 Prozent meinen, dass Putin dieses Kriterium ber√ľcksichtigen wird) oder der Respekt der Bev√∂lkerung gegen√ľber der jeweiligen Person (38 bzw. 17 Prozent).

29 Prozent sind der Auffassung, dass Putin davon ausgehen wird, wie nahe der Kandidat zu ihm steht. Nur f√ľnf Prozent der Befragten denken dabei, dass man sich von diesem Kriterium wirklich leiten lassen sollte.

Die Bereitschaft der Massen, Putins Wahl zu akzeptieren, bedeutet noch nicht, dass die Kriterien f√ľr diese Wahl akzeptiert werden, so Lewada. "Die Wenn und Aber sowie die Zweifel, von denen das Resultat der Wahl an der Spitze begleitet wird, das die russischen W√§hler akzeptieren m√ľssen, wird die Qualit√§t der gesellschaftlichen Unterst√ľtzung des Nachfolgers und dessen Umgebung f√ľr eine lange Zeit im Voraus bestimmen", meint der Experte.

Die Wahlen im M√§rz 2008 werden nach seiner Ansicht h√∂chstwahrscheinlich keine gro√üen √úberraschungen bringen. "Genauso klar ist aber, dass diese Prozedur nur ein Moment in der Vorbereitung unvermeidbarer und herangereifter Ver√§nderungen von gro√üem sozialhistorischem Ma√üstab sind", sagt Lewada. "In solchen Situationen war eine Wahl des Nachfolgers aus dem engen Kreis nur bis zu einem Zeitpunkt von Bedeutung, solange die Ressourcen des Vertrauens, der Hoffnung und der Geduld nicht ausgesch√∂pft sind." [ RIA Novosti ]