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14-10-2006 Umfrage & Statistik
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Reichste im ganzen Land?
Die russische Geschäftselite, die unter der Präsidentschaft Wladimir Putins gebildet wurde, ist den Russen unbekannt.

Die Leiter der größten staatlichen Unternehmen wie Gasprom, Rosneft, Rosoboronexport, Vnesheconombank oder Vneshtorgbank zählen die Russen nicht zu den reichsten Leuten.




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Die Staatskapitalisten brauchen keinen Informationsrummel, und die Menschen haben diejenigen im Gedächtnis, die in den 90er Jahren immer wieder auf dem Bildschirm auftauchten. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage, die die russische Zeitung "Wedomosti" am Freitag veröffentlichte.

Am 7. und 8. Oktober befragte das Russische Zentrum für Meinungsforschung (WZIOM) 1600 Menschen in 46 Regionen, was sie über die reichsten Leute des Landes denken. 37 Prozent nannten Chelsea-Inhaber Roman Abramowitsch als reichsten Mann, 24 Prozent den politischen Emigranten Boris Beresowski, 20 Prozent den Chef der RAO UES, Anatoli Tschubais, 11 Prozent den inhaftierten Yukos-Chef Michail Chodorkowski und 5 Prozent den ehemaligen Medienmagnaten Wladimir Gussinski, nach dem gefahndet wird.

"Reichtum wird bei den Leuten immer noch mit Figuren aus den 90er Jahren assoziiert. Sogar so ein Mammutunternehmen wie Gasprom ist nur 63 Prozent der Bevölkerung bekannt, den Vorstandsvorsitzenden Alexej Miller kennen noch weniger Leute", kommentiert Valeri Fjodorow, Generaldirektor des WZIOM. "Sie (große Geschäftsleute der Putin-Ära) erscheinen selten in den Massenmedien, und die Forbes-Listen lesen die Leute nicht", erklärt Alexej Graschdankin, Vizedirektor des Lewada-Zentrums für Meinungsforschung.

Die Leiter der staatlichen Korporationen sind keine Schauspieler, sie brauchen keine PR, hieß es aus einer Quelle im Kreml. Die Leute sollen über die staatlichen Firmen und ihre Errungenschaften Bescheid wissen, nicht über konkrete Manager im Staatsdienst.

Je berühmter ein reicher Mann ist, desto stärker zweifeln die Befragten an seiner Ehrlichkeit. 77 Prozent halten Tschubais für einen Hochstapler, 71 Prozent denken dasselbe über Beresowski, 66 Prozent über Chodorkowski und 64 Prozent über Abramowitsch. "Die Leute in Russland sind traditionell sicher, dass man zu so einem Vermögen nicht auf ehrlichem Wege kommen kann", erläutert Fjodorow.

Die Kommunikation zwischen der Öffentlichkeit und dem Großbusiness funktioniere in Russland so gut wie nicht, erklärt die Leiterin des Lehrstuhls für politische Psychologie der Moskauer Staatlichen Universität, Jelena Schestopal, die Vorstellungen der Russen. "Die Eliten in Russland werden immer undurchsichtiger. Sowohl in die Politik als auch in die Geschäftswelt halten Beamte, Apparatschiks, Einzug, für die es bequemer ist, in Deckung zu arbeiten", sagt sie.

Das Bewusstsein der Russen sei mythologisiert, stimmt der Vizedirektor des Zentrums für politische Technolgien, Boris Makarenko, zu. Das erleichtere den Machtstrukturen die Manipulation, auch im Informationsbereich. [ RIA Novosti ]