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19-04-2005 Umfrage & Statistik
Russlands Bevölkerung verspürt wachsende Feindseligkeit der Welt gegenüber ihrer Heimat
Russlands Bevölkerung hat in den letzten zwei Jahren ihre Vorstellung davon radikal verändert, wie die Welt zu Russland steht. Noch 2003 glaubten 51 Prozent der Bevölkerung, diese Einstellung sei gut - im Unterschied zu 33 Prozent, die meinten, die Einstellung der Außenwelt gegenüber Russland sei negativ.

Heute dagegen bewerten nur 34 Prozent der Russen diese Einstellung als gut, während 46 Prozent sicher sind, Russland genieße keine Sympathie in der Welt, schreibt die "Wremja Nowostej" unter Berufung auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Obschtschestwennoje mnenije" (Öffentliche Meinung).

Zugleich heben die Befragten in ausnahmslos allen Umfragen Wladimir Putins Erfolge in der Außenpolitik als die größte Errungenschaft seiner Amtszeit hervor. Offenbar denken die meisten wie folgt: Je erfolgreicher Russland im außenpolitischen Bereich wird, desto weniger mag man es.

Im Grunde genommen zeigt sich die Mehrheit der Befragten in dieser Frage mit der jetzigen Macht solidarisch. Das Bild missgünstiger Ausländer, die eine Schwächung Russlands wünschen und deshalb Russlands geopolitische Projekte andauernd behindern, wird recht aktiv ausgebeutet.

Dieses Gefühl des öffentlichen Bewusstseins von einer wachsenden Feindseligkeit der Welt gegenüber Russland kann für die Macht zwar überaus einträglich, für die Entwicklung des Landes aber äußerst gefährlich sein. Der äußere Feind ist ein geprüftes Mittel, um eigene Fehler in der Innen- und in der Außenpolitik zu verbergen. Wenn aber die Menschen keinen direkten Zusammenhang zwischen einer Verschlechterung der Einstellung zu diesem Land in der Außenwelt und ihrem eigenen Verhalten sehen, so ist das ein direkter Weg zu einer Umwandlung in einen Paria-Staat.

Russland macht jetzt einen überaus schweren historischen Übergang vom Status eines der globalen Spitzenreiter und von einem Land, das gewohnt war, ideologischer Führer eines beachtlichen Teils der Menschheit zu sein, zur Position eines normalen größeren Staates. Indem die Macht Russlands Bevölkerung unterschwellig gegen die restliche Welt einstellt bzw. solche Stimmungen ermuntert, macht sie die unvermeidliche Abschwächung der geopolitischen Bedeutung für sie noch schmerzhafter. Dies könnte wiederum zu einer Selbstisolierung und zu einer Krise des politischen Willens zu demokratischen Reformen führen. (RIA)