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20-07-2007 Umfrage & Statistik
Umfrage: Zwei Drittel der Tschechen gegen US-Raketenabwehranlage
65 Prozent der Einwohner Tschechiens treten gegen die Stationierung einer US-amerikanischen Radaranlage auf dem Territorium ihres Landes auf. Davon zeugen die Ergebnisse der jüngsten Meinungsumfrage des Forschungszentrums CVVM, die am Donnerstag in Prag veröffentlicht wurden.



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Für die Unterbringung der amerikanischen Radaranlage plädierten nur 28 Prozent der Befragten. Das ist zwei Prozent weniger als im Mai.

An der Umfrage haben insgesamt 1013 tschechische Bürger im Alter ab 15 Jahren teilgenommen. Die meisten Befürworter des Aufbaus eines amerikanischen Stützpunktes sind Studenten, Teenager zwischen 15 und 19 Jahren sowie die Bürger mit hohem Einkommensniveau.

Die Gegner dieser Idee sind überwiegend älter als 60 Jahre sowie ärmere Menschen. Nach Angaben der Soziologen wollen mehr als 74 Prozent der Befragten einen Volksentscheid über die Zweckmäßigkeit der US-amerikanischen Raketenabwehranlagen auf dem Territorium des Landes. Lediglich 20 Prozent der Tschechen denken, dass die tschechischen Politiker darüber entscheiden sollen.

Anfang Juli hatte die tschechische Regierung beschlossen, eine Radaranlage nahe der Stadt Misov, etwa 90 Kilometer südwestlich von Prag, zu unterbringen. Wie der für diese Angelegenheit zuständige Experte Tomas Klvana sagte, ist dieser nahe dem Militärübungsgelände in Brdy gelegene Ort optimal aus militärischer und politischer Sicht.

Die endgültige Entscheidung über die Installierung der US-amerikanischen Radaranlage in Tschechien wird das Parlament dieses Landes treffen. Die Parlamentsopposition besteht auf einem Referendum. Die Regierung will aber nicht das Volk darüber entscheiden lassen.

Es ist geplant, dass den amerikanischen Stützpunkt insgesamt etwa 200 Menschen, darunter 120 amerikanische Soldaten, bedienen werden. Der Aufbau der Raketenabwehranlage in Tschechien wird die US-Steuerzahler voraussichtlich 260 Millionen Dollar kosten. Außerdem werden sich daran möglicherweise tschechische Unternehmen beteiligen.

Die USA wollen die derzeit auf den Marshallinseln stationierte Anlage nach Tschechien verlegen, deren Abbau und Transport bis 125 Millionen Dollar kosten können. Washington hatte Tschechien und Polen im Januar dieses Jahres aufgefordert, die Raketenabwehranlagen auf ihrem Territorium unterbringen zu lassen. Ihre Absicht begründete die amerikanische Seite durch die Gefahr seitens der zum so genannten „Achse des Bösen“ gehörenden Staaten. Dazu zählt man in Washington Nordkorea und Iran.

Russland trat seinerseits vehement gegen diese Absicht der USA auf. Beim jüngsten G8-Gipfel in Heiligendamm schlug Präsident Wladimir Putin seinem US-Amtskollegen George Bush vor, die von Russland gemietete Radaranlage im aserbaidschanischen Gabala gemeinsam zu benutzen. In Moskau schätzt man die mögliche Unterbringung von US-Raketenabwehranlagen in Europa als eine wesentliche Umstrukturierung der amerikanischen militärischen Anwesenheit auf dem Kontinent ein. [ ria novosti ]