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16-08-2007 Umfrage & Statistik
Finanzkrise 1998 in Russland: Jeder dritte Russe auf neuen Crash gefasst
Jeder dritte Russe hält eine neue Finanzkrise wie den Kollaps im August 1998 für möglich. Nur ein Viertel der Befragten ist der Auffassung, dass Russland die Folgen der damaligen Krise völlig überwunden hat. Das stellt die Tageszeitung „Wedomosti“ am Donnerstag unter Berufung auf eine Untersuchung der Nationalen Agentur für Finanzstudien (NAFI) fest.



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Die Optimisten sind hauptsächlich gut verdienende junge Leute mit Hochschulabschluss, bei den Pessimisten dominieren Rentner und Einwohner von Moskau und Sankt Petersburg. 54 Prozent der Befragten meinen, der damalige Präsident Boris Jelzin habe die damalige Finanzkrise verschuldet. Zugleich belegen die Umfragen des Philosophie-Instituts der Russischen Wissenschaftsakademie, dass 54 Prozent mit ihrem jetzigen Leben zufrieden sind. Das ist der höchste Stand seit 16 Jahren. Der Anteil der Befragten, die Positives von der Zukunft erwarten, ist dreimal größer als der Anteil der Pessimisten.

Auch das Meinungsforschungsinstitut Romir stellt fest, dass sich zwei Drittel der Moskauer als glücklich bezeichnen.

Die Krise dauert hauptsächlich für die Rentner weiter an, meint Alexander Musafarow, Abteilungsleiter der Gesellschaft Baschkirowa i partnjory. „Diese ist aber weniger mit der Finanzkrise 1998, sondern vielmehr mit dem Zusammenbruch der sowjetischen Gesellschaft insgesamt verbunden.“

Die realen Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung haben sich seit 1998 verdoppelt. Die Löhne sind auf das 2,4-fache und die Renten um 50 Prozent gestiegen. Anton Strutschenewski, Wirtschaftsexperte der Investmentgesellschaft Troika Dialog, sieht die Ursache des Pessimismus darin, dass sich das Arm-Reich-Gefälle seit 1998 nicht verändert hat.

Tatjana Malewa, Direktorin des Unabhängigen Instituts für Sozialpolitik, vertritt den Standpunkt, dass die Einnahmen nicht gewachsen sind, sondern lediglich den Stand vor der Krise erreicht haben. „Nur 20 Prozent der Bevölkerung verdienen heute mehr, für die anderen bleibt die Krise eine Realität“, so die Expertin.

Nach Ansicht des Politologen Dmitri Badowski sind viele Menschen im Zusammenhang mit dem voraussichtlichen Abdanken von Wladimir Putin besorgt, der für sie als ein Garant der Stabilität gilt. Viele von ihnen erwarten eine neue Krise im Zusammenhang mit dem Machtwechsel. [ ria novosti ]