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04-09-2007 Umfrage & Statistik
Mehrheit der Russen wünschen sich 2008 einen linken und starken Präsidenten
Über die Hälfte der Russen wollen 2008 einen Präsidenten, der sich für „soziale Gerechtigkeit“ engagiert und mit harter Hand regiert. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Umfrage hervor, die das russische Meinungsforschungsinstitut WZIOM im Vorfeld der russischen Präsidentenwahl im März 2008 durchgeführt hat. Dabei ging es darum, was für einen Präsidenten sich das Volk wünscht.




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Gefragt wurde aber nicht nach der Person der Kandidaten, sondern nach der gewünschten Politik von Putins Nachfolger.

52 Prozent der Befragten wollen einen „eher linken Politiker und Anhänger der sozialen Gerechtigkeit“ als neues Staatsoberhaupt. Jeder Fünfte (20 Prozent) will einen marktwirtschaftlich orientierten Präsidenten, 9 Prozent erhoffen sich „irgendeine andere (politische)“ Linie, für 19 Prozent ist die Politik des zukünftigen Staatschefs gleichgültig, sie werden bei der Stimmabgabe „ihrem Gefühl nach wählen“.

Ebenfalls über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) wünschen sich einen Vertreter eines „starken Staates“ und nur sieben Prozent befürworten eine minimale Einmischung der Behörden in das Leben der Bürger. „Die meisten Bürger wollen einen starken, aufmerksamen und sozial orientierten Präsidenten (...) Bei Wahlbeginn ändert sich das Herangehen. Die Leute beginnen auf andere Dinge Acht zu geben, und zwar, wie sehr der konkrete Kandidat für das Präsidentenamt geeignet ist. Und wenn ein linker Anwärter auftaucht, so interessiert es die Bürger, ob er dazu fähig ist, Präsident zu sein“, äußerte Alexej Makarkin, Experte des Zentrums für Polittechnologien, in einem Interview für die Zeitung „Gaseta“.

Dem Politologen zufolge wird ein Kandidat nicht aufgrund seiner politischen Linie, sondern „aufgrund seiner Persönlichkeit, der Präsidentenfähigkeiten zugeschrieben werden“ zum Staatsoberhaupt gewählt.

WZIOM ermittelte auch die Parteisympathien der Befragten bezüglich des künftigen Staatschefs. Die Nachfrage nach einem „linken Führer“ ist natürlich unter den Kommunisten (84 Prozent) und den Wählern von „Gerechtes Russland“ (71 Prozent) am größten. Bemerkenswerter Weise wollen ganze 44 Prozent der Wähler der rechtskonservativen Partei „Einheitliches Russland“ einen sozialistischen Staatschef. Unter den Wählern der liberaldemokratischen Partei Russlands (LDPR) wollen 39 Prozent solch einen Präsidenten.

Die wirtschaftliche Linie des neuen Staatsoberhauptes soll 43 Prozent der Befragten zufolge sozialistisch und nur 22 Prozent zufolge marktwirtschaftlich orientiert sein.

In einer anderen Studie ging es um Rohstoffe als außenpolitisches Druckmittel. Moskau soll nach Meinung der Mehrheit der Russen seine Macht als größter europäischer Rohstofflieferant in der Außenpolitik ausspielen, geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, für die das russische Meinungsforschungsinstitut Lewada 1600 Menschen befragte.

Demnach bejahten 59 Prozent der Befragten die Frage, ob Russland die Abhängigkeit europäischer Länder von russischem Öl und Gas ausnutzen solle, um seine außenpolitischen Ziele zu erreichen. Nur jeder Fünfte antwortete mit Nein. Zuletzt hatte Moskau im Januar 2007 die Öllieferungen nach Europa wegen eines Streits mit Weißrussland gestoppt.

Außerdem halten der Umfrage zufolge 46 Prozent der Befragten die Anschuldigung, Russland verletze die Demokratie, für unbegründet. 29 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Nach Ansicht von 68 Prozent der Russen, will der Westen mit seiner Kritik an Russland das Land diskreditieren.