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30-11-2007 Umfrage & Statistik
Entwertung der Menschenrechte unter den Russen
Nach Ansicht von Russlands Bürgern sollte die Wichtigkeit der Menschenrechte nicht übertrieben werden, wie das Lewada-Zentrum festgestellt hat. Wie die Angaben dieser soziologischen Befragungseinrichtung bezeugen, haben im letzten Jahr praktisch alle Rechte gewissermaßen an Wert verloren: Die Bürger kommen ruhig ohne sie aus.




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In diesem Jahr stellen die Soziologen ein Sinken absolut aller Kennziffern fest. Während 2006 das Recht auf Leben für 64 Prozent der Russen am wichtigsten war, halten sich 2007 etwa 46 Prozent an diese Meinung. Um 12 Prozent sank die Wichtigkeit des Rechtes auf Unantastbarkeit des Privatlebens und der Wohnung. Um 4 bis 7 Prozent haben sich alle übrigen Rechte aus dem alljährlichen Fragebogen des Lewada-Zentrums entwertet: die Redefreiheit, das Eigentumsrecht, das Recht auf Ausreise in ein anderes Land und auf Rückkehr, Glaubensfreiheit, das Recht auf Information, auf gut bezahlte Arbeit im erlernten Beruf, das Recht, eigene Vertreter zu den Machtorganen zu wählen, das Recht auf unentgeltliche Bildung, medizinische Hilfe, Versorgung im Alter und im Krankheitsfall.

An erster Stelle steht für die Russen nach wie vor das Recht auf unentgeltliche Bildung, medizinische Hilfe, Versorgung im Alter und im Krankheitsfall: 67 Prozent der Antworten; bei guter Arbeit sind es 51 Prozent.

Man kann wohl kaum von einem freiwilligen Verzicht auf die Rechte sprechen. An seine Rechte erinnert sich der Mensch gewöhnlich dann, wenn sie verteidigt werden müssen. Die Dynamik der von den Soziologen fixierten Prioritäten demonstriert die Veränderung der Ängste: Die Bürger haben jetzt weniger Angst um ihr Leben, ebenso wie um die Sicherung des Lebensunterhalts; die Einkünfte der Bevölkerung wachsen, die sozialökonomische Situation hat sich stabilisiert. Doch die unentgeltliche Bildung und die Sozialversorgung sowie gute Arbeit bleiben dennoch Bereiche mit einem hohen Risiko.

Die Soziologen stellen einen Rückgang der aktiven Proteststimmungen fest. Der Grund ist nicht so sehr die Verbesserung des Lebens wie vielmehr negative Erfahrungen und der fehlende Glauben daran, dass mit Protesten etwas zu erreichen ist. (Das Gleiche bezieht sich auf die politische Tätigkeit.)

Nach Angaben einer im Oktober durchgeführten Befragung des Fonds "Öffentliche Meinung" lassen 23 Prozent der Russen für sich die Möglichkeit zu, an diversen Protestaktionen teilzunehmen oder sich Protestierenden anzuschließen; 66 Prozent schlossen diese Möglichkeit aus, weitere 11 Prozent hatten Schwierigkeiten bei der Beantwortung. Dem Unglauben an die Möglichkeit, die eigenen Rechte zu behaupten, folgt auch das Sinken der Werte als solcher.

Wahrscheinlich könnte ferner gesagt werden, dass das Institut der Menschenrechte als unbezweifelbarer Wert für jeden Bürger in Russland erst einwurzeln muss. Gemeint ist, dass die Russen nicht bereit sind, das Institut der Menschenrechte zu behaupten, sobald man ein Dach über dem Kopf, den Lohn in der Tasche und den geliebten Präsidenten im Fernseher hat. Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Einen und dem Anderen. Wedomosti/RIA Novosti