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02-08-2007 Weissrussland
Gazprom will Weißrussland ab Freitag den Gashahn abdrehen
Gazprom hat seinem westlichen Nachbarn Weißrussland mit dem Drosseln der Gaslieferungen gedroht und damit Sorge in Europa ausgelöst. Wie der Gaskonzern Gazprom am Mittwoch in Moskau erklärte, will er seine Gas-Exporte ab Freitag um 45 Prozent senken, wenn die Regierung in Minsk nicht überfällige Rechnungen aus dem ersten Halbjahr begleicht und Zahlungsgarantien abgibt.



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Über Weißrussland laufen rund ein Fünftel der russischen Gaslieferungen in die Europäische Union (EU), vor allem nach Deutschland, Polen und Litauen. Die EU-Kommission nehme die Entwicklungen "sehr ernst", sagte ein Sprecher in Brüssel.

Im Januar 2006 hatte Russland nach einem ähnlichen Konflikt zwischen Gazprom und der Ukraine einen Lieferstopp verhängt. Durch illegale Gasentnahme an den Transitpipelines durch die Ukraine kam es zu kurzfristigen Druckverlust in Europa. Dies hatte eine Debatte über Europas zunehmende Abhängigkeit von russischen Energieausfuhren ausgelöst. Russlands europäische Partner seien nun über die erwarteten Drosselungen für Weißrussland informiert, betonte Gazprom.

Gazprom reduziert Gaslieferungen nach Weißrussland wegen Zahlungsrückständen

“Die Tageslieferung von Gas nach Weißrussland wird am 3. August ab 10.00 Uhr gemäß Vertrag entsprechend der faktischen Bezahlung verringert“, hieß es in einer Mitteilung von Gazprom.

bei russland.RU
In einem Schwerpunkt über die Nordeuropäische Gaspipeline hat russland.RU Daten, Fakten, Hintergründe, Kommentare und Analysen zusammengefasst. ...


Droht Gazprom tatsächlich den Europäern?


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Nach dem Vertrag über den Umfang und die Bedingungen der Gaslieferungen nach Weißrussland und des Transittransportes von Gas über das Territorium der Republik im Zeitraum 2007 bis 2011 benachrichtigte Gazprom den Direktor von Beltransgas, Wladimir Majorow, offiziell über die Reduzierung der Gaslieferungen an die weißrussischen Verbraucher wegen der Nichteinhaltung der Zahlungsverpflichtungen durch Weißrussland im ersten Halbjahr 2007 und wegen fehlender Zahlungsgarantien.

Gazprom und Beltransgas hatten am 31. Dezember 2006 den Vertrag über die Lieferung bzw. den Transit von russischem Gas im Zeitraum 2007 bis 2011 unterzeichnet. In dem Dokument ist der Preis von 100 US-Dollar je 1000 Kubikmeter russisches Gas im Jahre 2007 und die Preisformel ab 1. Januar 2008 (sie entspricht der Preisformel für die russischen Gaslieferungen nach Europa) fixiert.

Entsprechend dem Vertrag hatte die weißrussische Seite im ersten Halbjahr 2007 55 Prozent der Gaslieferungen bezahlt - unter der Bedingung, dass die restliche Summe bis zum 23. Juli gezahlt und die Gaslieferungen ab 1. Juli zu 100 Prozent bezahlt werden.

Laut dem Dokument sind auch der Tarifsatz für die Gaslieferungen über die Netze von Beltransgas (1,45 US-Dollar) und die Gebühren für die Verwaltung der Gaspipeline Jamal-Europa (nach Preisformel berechnet) vereinbart. Gazprom zahlt monatlich 30 Millionen US-Dollar für den Transit von russischem Gas über weißrussisches Territorium.

Gazprom und die weißrussische Regierung signierten am 31. Dezember 2006 ein Protokoll, laut dem die russische Gasholding 50 Prozent der Aktien von Beltransgas für 2,5 Milliarden US-Dollar kauft, die in gleichen Raten innerhalb von vier Jahren gezahlt werden.

Somit hat Weißrussland Zeit genug, sich auf den neuen Preis umzustellen. Laut Gazprom hat die zurückgestellte Zahlung im Zeitraum von Januar bis Juni dieses Jahres 456,16 Millionen US-Dollar betragen. Im Gaskonzern wird darauf verwiesen, dass Weißrussland unter Verletzung des geltenden Vertrages die Zahlungen nicht geleistet und keine Zahlungsgarantien gewährt hat. Dabei hat Gazprom termingerecht 625 Millionen US-Dollar für 12,5 Prozent der bei Beltransgas gekauften Aktien überwiesen.

Die Regierung in Minsk dürfe den Transit von Gas für Europa bestimmtem Gas nicht behindern. Weißrussland habe die Ankündigung von Gazprom erhalten, bestätigte ein Berater des weißrussischen Energieministeriums der Nachrichtenagentur AFP in Minsk. Sein Land hoffe "auf eine rasche Regelung"; eine Antwort sei in Vorbereitung.

Weißrussland will Reduzierung russischer Gaslieferungen verhindern

Die Regierung von Weißrussland und das Unternehmen Beltransgas erarbeiten jetzt Vorschläge an den russischen Konzern Gazprom zur Regelung der Situation um die Gaslieferungen nach Weißrussland. Das teilte der weißrussische Energieminister Alexander Schukow am Mittwoch Journalisten mit.

„Die weißrussische Seite tut ihr Möglichstes, um die Situation zu regeln und eine Verringerung der Lieferungen von russischem Gas nach Weißrussland zu verhindern“, sagte der Minister. Schukow bestätigte den Erhalt eines Telegramms von Gazprom, das ab 3. August eine Reduzierung der russischen Gaslieferungen nach Weißrussland wegen Zahlungsrückständen plant.

Ein EU-Sprecher rief beide Parteien auf, den Konflikt unverzüglich gütlich beizulegen. Dabei sollten sie sich an der Energiecharta von 1994 orientieren. Die Kommission sei bereit, in der kommenden Woche eine Sitzung der Gas-Koordinierungsgruppe einzuberufen, falls dies erforderlich sein sollte. Diese Gruppe war 2004 gegründet worden.