Whopper auf Rädern – „Nachtwölfe“ im Clinch mit Burgerkette

Es hätte eigentlich eine lustige Idee werden sollen, nun ist sie zu einem handfesten Streit eskaliert. Eine, auch in Russland stark vertretene, US-Schnellimbiss-Kette wollte die viel diskutierte Motorrad-Gang „Notschnyje Wolki“ als Werbeträger zu Neujahr benutzen. Die Idee musste einfach schiefgehen.

Stellen Sie sich vor, da kommen ein paar Jungs auf schweren Motorrädern bei Ihnen vorgefahren und sind als Essensauslieferer in Rentierkostümen verkleidet. Irgendwie ist das an sich schon schräg. Noch schräger wird der Gedanke dann, wenn sich die Boten als „Nachtwölfe“ zu erkennen geben. Und erst so richtig schräg wird es schließlich, wenn der Koch die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat.

Es gab tatsächlich einen Plan beim Russland-Ableger des Buletten-Imperiums Burger King, die „Nachtwölfe“ als Werbeträger für ihre Menüs aus Burgern und Pommes zu engagieren. Iwan Schestow, der Kommunikationsdirektor des Unternehmens, schickte ein offizielles Schreiben an den Leitwolf der Biker, Alexander Saldostanow, in dem er um Unterstützung bei der Auslieferung anfragte. Stolze dreißig Millionen Rubel, das sind über 450.000 Euro, wäre Burger King Russia diese PR-Aktion wert gewesen. Einzige Bedingung: Die Biker hätten sich als Rentiere verkleiden müssen.

Lektion Eins: Ein Rocker ist kein Weihnachtsmann

„Wölfe sind düster und aggressiv. Rentiere hingegen sind festlich und im Geiste des Neuen Jahres. Sie gehören auch zu den schnellsten Tieren und passen daher perfekt zu unserem Versprechen, in dreißig Minuten oder weniger zu liefern“, erklärte Schestow und fügte hinzu, dass sie doch mit ihren Biker-Bärten, die ähnlich dem von Väterchen Frost, der russischen Variante des Weihnachtsmanns, sind perfekt wären, den Russen Freude zum Fest zu bescheren. Gewohnt diplomatisch reagierte „Der Chirurg“, wie Saldostanow genannt wird, auf seiner Seite im russischen Facebook-Pendat Vkontakte. Zum Fest möchten wir Ihnen seine Antwort nicht vorenthalten:

Lieber Ivan Schestow!

Aufgrund der erhöhten Arbeitsbelastung der Mitglieder des Motoclub ‚Nachtwölfe‘ während der Neujahrsfeiertage sind wir gezwungen, ein kommerzielles Angebot abzulehnen. Darüber hinaus ist die Marke ‚Night Deer‘ bereits bei Rospatent in der Russischen Föderation patentiert. Um die möglichen Folgen für Ihr Unternehmen zu begrenzen, schlagen wir Ihnen daher vor, dass Sie und alle Ihre Mitarbeiter sich zum ausgehenden Jahr angemessen mit Gockel-Kostümen verkleiden.

Wir versprechen Ihnen keine dreißig Millionen Rubel, aber das Umsatzwachstum oder einfach der steigende Ansturm von neugierigen Besuchern in Ihrem Fast-Food-Netzwerk ist Ihnen garantiert. Laut sicheren Informationen braucht man die Verkleidung nicht rund um die Uhr auszuziehen und ein Gockel-Kostüm würde unserer Meinung nach sehr gut, sowohl mit Ihrer Firma als auch mit den Managern bei Burger King, harmonieren.“

Lektion Zwei: Ein Rocker ist auch kein Hirsch

Weniger gelassen reagierten dagegen die anderen Mitglieder aus Saldostanows Wolfsrudel. Alwi Mutajew, der Präsident des Chapters Grosny, findet die Idee der Boulettenbrater fürchterlich. „Wie können sich Nachtwölfe als Hirsche bezeichnen? Ich bin kein Hirsch und werde nie einer sein. Ich bin ein Nachtwolf!“, ereiferte sich Mutajew. Andere sehen in der Aktion lediglich einen PR-Gag auf Kosten der Biker.

Der Pressesprecher des Moskauer Chapters des Motorrad-Clubs, Alexander Bulldog, sagte, dass die Biker nie ein offizielles Angebot erhalten hätten. Er bezeichnet die ganze Angelegenheit als Trick von Burger King Russia, um kostenlos Werbung für ihr Unternehmen gemacht zu haben. Denn, merkwürdigerweise hat das Unternehmen den Originalpost, der jetzt allerdings noch auf Twitter einsehbar ist, kurz später wieder gelöscht. Alexander Bulldog bescheinigte dem Management daraufhin „den Reifegrad eines Fünftklässlers“.

Burger King Russia mit fast fünfhundert Restaurants im Land hat sich durch diese Marketing-Aktion nicht zwingend Freunde gemacht. Die „Nachtwölfe“, die bereits halb Europa alleine durch ihren alljährlichen Ausritt nach Berlin in Angst und Schrecken versetzt haben, werden es der Geschäftsleitung kaum danken. Hardcore-Biker, die in einer Rentier-Verkleidung stecken, irgendwie ist alleine der Gedanke dämlich. Deshalb, Ihnen allen einen guten Rutsch und ein frohes und friedliches neues Jahr 2018.

[mb/russland.NEWS]