Wie Russland mit einem Dollar die Welt erschütterte

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Russland rührt, zumindest wenn es nach der öffentlichen Wahrnehmung geht, kräftig mit im Medienkrieg. Immer wenn es gilt die Meinung zu beeinflussen und dem Westen zu schaden, ist Moskau an vorderster Front dabei. Das soziale Netzwerk Facebook plauderte nun aus dem Nähkästchen.

Tatort England, das Opfer Europa: Am 16. November 2017 veröffentlichte die britische Zeitung The Times eine Publikation mit einer Studie der University of Swansea, die wenige Tage vor dem Brexit-Referendum in sozialen Netzwerken eine „riesige Anzahl“ von russischsprachigen Accounts aufzeigte, die am Wahltag besonders anstieg. Im Besonderen wurde in dieser Veröffentlichung behauptet, dass während eines Zeitraums von zwei Tagen insgesamt 45.000 Nachrichten über das britische Referendum auf Twitter seitens der russischen User veröffentlicht wurden.

Vorausgegangen war der Beginn einer Untersuchung am 14. November, bei der die britische Premierministerin Teresa May den Einfluss Moskaus auf das Ergebnis des Brexit-Votums bekannt gab. Sie hatte Russland vorgeworfen, im Rahmen einer Kampagne „Zwietracht im Westen zu säen“ und gefälschte Nachrichten und Fehlinformationen online verbreitet zu haben. Danach erklärten sich das Management von Facebook und Twitter bereit, die britische Regierung bei der Untersuchung der „russischen Intervention“ im Juni-Referendum zu unterstützen.

Fakten kontern haltlosen Vorwürfen

„Wir unterstützen nachdrücklich die Bemühungen der Kommission, die Finanzierungsregeln für politische Wahlkampagnen im Vereinigten Königreich zu regeln und durchzusetzen. Wir nehmen den Antrag der Kommission sehr ernst“, hieß es in einem Schreiben von Facebook an die Kommission. „Auf Ihre Anfrage hin haben wir untersucht, ob eine der identifizierten Seiten oder Account-Profile der Internet Research Agency während des reglementierten Zeitraums für das EU-Referendum Werbung für Zuschauer im Vereinigten Königreich finanzierte.“

Laut dem britischen Independent stellte Facebook nun fest, dass nur drei verdächtige Konten vor dem Brexit-Referendum politische Anzeigen zu diesem Thema veröffentlichten, die jedoch von weniger als zweihundert Nutzern gelesen wurden. Ebensowenig seien für die Anzeigen horrende Summen aufgewendet worden. Die Kosten für deren Platzierung betrugen 57 Rubel, das entspricht gerade einmal 0,97 US-Dollar.

Daraufhin bezichtigte die Russische Botschaft in Großbritannien die Zeitung der Fehlinformation. Russische Diplomaten kamen nach Prüfung der, von der Times erwähnten, Daten der Experten zu dem Schluss, dass die Veröffentlichung über eine russische „Einmischung“ in die demokratischen Prozesse des Vereinigten Königreichs das Bild der Ergebnisse schlussfolgernd verzerre, was von der Universität schließlich auch bestätigt wurde.

Im Januar dieses Jahres entschied ein Bericht des US-Geheimdienstchefs, dass Russland versucht habe, die US-Präsidentschaftswahl 2016 zu beeinflussen. Ein Facebook-Fond von etwa 470 mit der, in Russland ansässigen, Internet Research Agency verknüpften Konten hätte demnach rund 100.000 US-Dollar für mehr als 3.000 Anzeigen ausgegeben. Diese Anzeigen wurden laut dem Geheimdienst zwischen Juni 2015 und Mai 2017 geschaltet, um Donald Trump zu unterstützen.  Ein weiterer Fall für Komissar Facebook?

[mb/russland.NEWS]